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Der Traum vom Silber

Seit 37 Jahren arbeitet Don Anacleto in den Silberminen des Cerro Rico. Reich ist er dabei nicht geworden

Morgens um halb sieben, wenn sich die bittere Kälte der Nacht verflüchtigt, macht Don Anacleto für einen Augenblick am Mineromarkt Halt. Dort, am Fuße des Cerro Rico, kauft er für fünf Bolivianos eine Tüte Cocablätter. Manchmal nimmt er auch ein oder zwei Stangen Dynamit mit. Sieben Bolivianos das Stück, 1,40 Euro. Anschließend steigt Don Anacleto einen mächtigen Schutthang an. 200 Höhenmeter, kleine, steile Lehmpfade, auf denen seine Gummistiefel immer wieder abrutschen, bis er in 4250 Meter den Eingang zur Mine „Santa Rosa“ erreicht. Ein mannshohes Loch, so wie hunderte an den Flanken des Cerro Rico. Mehr


Willkür im Kaukasus

Wer auf den Elbrus rauf will, muss mehr als den Berg bezwingen

Für viele Geographen und Alpinisten ist klar: Nicht der Mont Blanc, sondern der Elbrus ist der höchste Berg Europas. Wer diesen 5642 Meter hohen Kaukasus-Riesen besteigen will, muss nicht nur der Höhe, den Stürmen und der Kälte trotzen. Er muss auch eine Reise durch den real zerfallenden Sozialismus auf sich nehmen.

Schon am Flughafen der Kaukasus-Stadt Mineralye Vody ist alles ganz anders. Allein der offen zur Schau getragene Besitz einer Kamera kann den temporären Verlust des Reisepasses, der Kamera und des eingelegten Filmes zur Folge haben. Auf jeden Fall will der Uniformierte Wachmann 50 Dollar. Ohne Quittung natürlich. Doch die Willkür gehört auf der Reise zum Elbrus ebenso dazu wie die Unzulänglichkeit. Mehr


Absurdistan am Amtsgericht

Ist die bayerische Provinz ein rechtsfreier Raum?

Eine oberbayerische Kleinstadt östlich von München. Im nahen Forst pflügen die Wildschweine den Boden um, der Verkehr wälzt sich durch das Zentrum, die Sicht reicht an sonnigen Tagen bis in die Berge. Doch Herr K. hat keinen Blick für die Idylle. Er kämpft um sein Kind.

Vor über zwei Jahren hat ihm seine Frau vorgeworfen, die damals zweieinhalbjährige Tochter während des Badens in der Badewanne missbraucht haben. Gesehen hat die Frau den angeblichen Missbrauch nicht, auch Beweise hat sie keine. Dennoch behauptet sie, dass die Tat stattgefunden hat.

Nichts kann die Südamerikanerin von ihrer Vorstellung abbringen: Nicht die Beteuerungen des Vaters, dass sie sich irre, und auch nicht die Untersuchung eines Kinderarztes, der keine Hinweise auf einen Missbrauch feststellt. Stattdessen geht die Frau mit dem Kind ins Frauenhaus, unterbindet monatelang den Umgang des Kindes mit seinem Vater und zeigt diesen bei der Polizei an. Damit setzt sie eine Behördenmaschinerie in Gang, die eine erstaunliche Dynamik entwickelt und den Vater in die Mangel nimmt. Mehr


Ein bisschen rundown

Zum Glück hat das Hotel Golfito Mario

Das „Hotel Golfito“ ist nicht gerade das Aushängeschild des Costa-Ricanischen Fremdenverkehrs. Die Zimmer sind so einfach wie abgewirtschaftet: Die Wände, mit abwaschbarer Farbe bemalt, sind verschmutzt, der Toilettensitz von unzähligen Sitzungen abgeschabt. Zwei Betten auf Metallgestellt, ein Ventilator, Dusche, Toilette, Waschbecken. Das „Golfito“ kann und will nicht mithalten mit den unzähligen luxuriösen Unterkünften in diesem Land, die 100 oder 500 Dollar die Nacht kosten. Im „Golfito“ ist das Bett für acht Dollar die Nacht zu haben ist, ist dennoch ein guter Platz. Es liegt unmittelbar neben dem Anleger der Puerto-Jimenez-Boote. Es ist ein bisschen Run-Down, aber nicht zum Fürchten. Und es hat Mario. Mehr


Krise im Paradies

Manuel, der Dschungelführer aus La Palma, sieht die Entwicklung nüchtern. „Es gibt dicke Kühe, und es gibt dünne Kühe. Ebenso gibt es gute Jahre und schlechte Jahre. Jetzt kommen die schlechten.”

Manuel kommt gerade aus dem Corcovado-Nationalpark zurück, auf der Osa-Halbinsel, im Südwesten Costa Ricas, gelegen. Der Park ist ein ökologisches Juwel. Der Dschungel darf hier noch Dschungel sein - das wissen auch die Brüllaffen, Tapire und Quetzals zu schätzen. Mehr