Ich hole mir zwei Brötchen und lese ausführlich die Süddeutsche Zeitung. Mutti ruft an. Ich bin schlecht gelaunt wegen der Umzugsgeschichte, und sie kriegt diese miese Laune jetzt ab. Was ruft sie auch an. Später meldet sie noch einmal und schlägt vor, Lydia anzurufen und um ein Gespräch zu bitten. Ich halte das für eine schlechte Idee. Lydia wird darauf nicht eingehen. Ich bin nicht fair zu Mutti. Meine Nerven sind überdehnt. Ich bin am Limit. Vielleicht auch schon drüber hinaus. Meine Toleranz beträgt Null. Ich lasse mir von niemandem mehr etwas sagen. Ich habe lange genug tun müssen, was andere wollen. Ich mache das nicht mehr mit.
Nachmittags versuche ich, den gebrochenen Plastikunterbau unter der Stoßstange meines Autos zu reparieren. Am vergangenen Wochenende bin ich in einen Schneehaufen gefahren, da hat´s Knacks gemacht. Dann schmiere ich die Türgummis mit Wachs ein. Ich überlege, ob ich Sport machen soll, entscheide mich dann aber doch für´s Einkaufen, da ich sonst zeitlich in Bedrängnis kommen könnte. Um 17 Uhr ist begleiteter Umgang mit meinen Kids.
Franziska und ich spielen zwei Stunden sehr gut miteinander. Erst basteln wir Ketten, dann spielen wir mit Tier- und Menschenfiguren. Wir machen Musik und spielen Fangen. Sie ist ausgelassen. Später, draußen, läuft sie wie eine Wilde herum. Ich habe den Eindruck, als mache ihr Bewegung Spaß. Vielleicht sollte man sie sportlich fördern.
Die neue Umgangsbegleiterin Bauer will sich gleich am Anfang bei Franziska einschleimen. Hält ihr eine Stofffigur hin und quatscht Franziska an. „Ich heiße Hugo, und ich komme jetzt jedes Mal zu Dir.” Das hat man ihr wohl im Grundkurs Kinderpädagogik beigebracht: Schleime Dich ein, spreche in hoher Tonlage. Auch während wir spielen, schaut sie hin und wieder in das Zimmer hinein. Glücklicherweise schließt Franziska anschließend immer wieder die Tür.
Am Schluß des Umgangs ist Johanna wach. Ich nehme sie für kurze Zeit auf den Arm. Sie sieht mich mit offenen, starken Augen an. So, als wollte sie mir etwas sagen. Als gäbe sie mir einen Kraftstoß. Halte durch.
Es ist unfair gegenüber Johanna, dass ich so kurze Zeit mit ihr verbringe. Aber Franziska beansprucht im Grunde die gesamte Zeit. Am nächsten Wochenende werde ich Johanna mehr Zeit auf den Arm nehmen.
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