{"id":67,"date":"2009-03-01T19:47:16","date_gmt":"2009-03-01T17:47:16","guid":{"rendered":"http:\/\/bergsturz.net\/?page_id=67"},"modified":"2014-09-23T20:50:04","modified_gmt":"2014-09-23T18:50:04","slug":"auf-der-suche-nach-crazy-stone","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/bergsturz.net\/?page_id=67","title":{"rendered":"Auf der Suche nach Crazy Stone"},"content":{"rendered":"<p><!--[if gte mso 9]><xml> Normal   0   21         false   false   false                             MicrosoftInternetExplorer4 <\/xml>< ![endif]--><!--[if gte mso 9]><xml> <\/xml>< ![endif]--> <!--[if gte mso 10]>\n\n\n\n<style>\n \/* Style Definitions *\/\n table.MsoNormalTable\n\t{mso-style-name:\"Normale Tabelle\";\n\tmso-tstyle-rowband-size:0;\n\tmso-tstyle-colband-size:0;\n\tmso-style-noshow:yes;\n\tmso-style-parent:\"\";\n\tmso-padding-alt:0cm 5.4pt 0cm 5.4pt;\n\tmso-para-margin:0cm;\n\tmso-para-margin-bottom:.0001pt;\n\tmso-pagination:widow-orphan;\n\tfont-size:10.0pt;\n\tfont-family:\"Times New Roman\";\n\tmso-ansi-language:#0400;\n\tmso-fareast-language:#0400;\n\tmso-bidi-language:#0400;}\n<\/style>\n\n< ![endif]--><\/p>\n<p>Personen:<\/p>\n<p>-Kowalski (Gesch\u00e4ftsreisender)<\/p>\n<p>-Anna und Paul (ein Paar auf Forschungsreise)<\/p>\n<p>-Soldat<\/p>\n<p>-Kellner<\/p>\n<p>-Musiker (kann auch den Schuhputzer spielen)<\/p>\n<p>-Schuhputzerjunge<\/p>\n<p><strong>I<\/strong><\/p>\n<p><strong>Die Begegnung<\/strong><\/p>\n<p><em>Eine Stadt in den Anden. Auf der Terrasse einer einfachen Kneipe. An der Wand ein Fernseher. Unruhige Bilder auf dem Bildschirm. Kowalski sitzt an einem Tisch. Er ist leger-elegant gekleidet. Vor ihm ein Bier. Hin und wieder nippt er daran. Er raucht und liest Zeitung. Ein Kellner geht lustlos an ihm vorbei. Kowalski sieht kurz auf, deutet auf sein Bier:<\/em><\/p>\n<p><strong>Kowalski<\/strong>: Otro.<\/p>\n<p><em>Der Kellner geht weiter. Anna und Paul betreten den Raum. Sie haben Reisetaschen bei sich. Paul tr\u00e4gt zus\u00e4tzlich eine schwere Tasche \u00fcber seiner Schulter, in der eine Kameraausr\u00fcstung sowie ein Fernrohr stecken. Anna und Paul sehen sich unschl\u00fcssig um, gehen dann auf den Tisch von Kowalski zu.<\/em><\/p>\n<p><strong>Anna<\/strong>: Is it free?<\/p>\n<p><em>Kowalski sieht kurz auf und deutet mit einer Hand auf die freien St\u00fchle. Anna und Paul setzen sich umst\u00e4ndlich. Der Kellner kommt heran, bleibt fragend vor ihnen stehen.<\/em><\/p>\n<p><strong>Anna<\/strong>: Two Coffee, please.<\/p>\n<p><em>Sie hebt zwei Finger<\/em><\/p>\n<p><em>Der Kellner murmelt f\u00fcr sich: \u201eDos cafe&#8220;, geht davon. Eine Weile Schweigen zwischen den Beiden.<\/em><\/p>\n<p><strong>Paul<\/strong>: Diese verdammten Kopfschmerzen.<\/p>\n<p><strong>Anna<\/strong>: Wir h\u00e4tten doch nach Gran Canaria fliegen sollen.<\/p>\n<p><em>Anna kramt in ihrer Tasche, reicht Paul eine Tablette.<\/em><\/p>\n<p><strong>Paul <\/strong>(<em>fasst sich an den Kopf<\/em>): Dann h\u00e4tten wir genausogut zuhause bleiben k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Anna<\/strong>: Der Teide h\u00e4tte doch gereicht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Paul<\/strong>: Du willst es nicht verstehen. Es kommt nicht nur auf die H\u00f6he an. Auch auf die Lage, das Klima, die Menge der fremden Lichtquellen. All das beeinflusst das Bild.<\/p>\n<p><em>Paul schluckt die Tablette hinunter. Dann nimmt er eine Kamera aus seiner Tasche und fotografiert \u00fcber den Platz. Schweigen. Der Kellner bringt zwei Kaffee, dazu ein Glas mit Eiswasser. Anna greift zu dem Eiswasser, nimmt einen Schluck.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Paul<\/strong>: Hoffentlich ist das abgekocht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Anna<\/strong>: Irgendwann kriegt man sowieso die Scheisserei.<\/p>\n<p><strong>Paul:<\/strong> Das ist das Letzte, was wir gebrauchen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><em>Paul nimmt ein Tuch und wischt damit den Rand seiner Tasse ab. Sie trinken und schweigen. Schlie\u00dflich holt Anna einen Reisef\u00fchrer aus ihrer Tasche, schl\u00e4gt ihn auf:<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Anna<\/strong><em> <\/em>(<em>liest<\/em>): \u201eDie Hochebene ist ein fremdartiges, staubiges, fast baumloses Plateau, mehr als 3500 Meter \u00fcber dem Meeresspiegel. Es herrscht dort oben eine sehr weite, unheimliche Sch\u00f6nheit.&#8220;<\/p>\n<p>(<em>zu Paul<\/em>): Meinst Du, wir kriegen dort noch Luft?<\/p>\n<p><em>Anna blickt zu Paul. Der fotografiert weiterhin.<\/em><\/p>\n<p><strong>Paul<\/strong>: Man gew\u00f6hnt sich daran.<\/p>\n<p><strong>Anna:<\/strong> Woher willst Du das wissen?<\/p>\n<p><strong>Paul:<\/strong> Ich habe dar\u00fcber gelesen.<\/p>\n<p><strong>Anna:<\/strong> Und wenn nicht?<\/p>\n<p><strong>Paul:<\/strong> Wir m\u00fcssen. Schlie\u00dflich wollen wir noch 2000 Meter h\u00f6her. Ich brauche diese Weite und diese Trockenheit. Das sind die besten Voraussetzungen, um Crazy Stone zu beobachten.<\/p>\n<p><strong>Anna<\/strong>: Wahrscheinlich h\u00e4tten wir den Stern auch vom Wallberg sehen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><em>Paul verscheucht einige Fliegen, die um seinen Kaffee kreisen.<\/em><\/p>\n<p><strong>Paul<\/strong>: Komet!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Anna<\/strong>: Komet, wegen mir&#8230;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Paul<\/strong>: Klar, f\u00fcr Dich ist es egal. F\u00fcr Dich geht es ja auch um nichts.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Anna<\/strong>: 12000 Kilometer weit fliegen, um einen Kometen zu fotografieren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Paul<\/strong>: Crazy Stone ist eine Sensation! Fast w\u00fcrde er die Erde rammen. Das musst Du Dir mal vorstellen. Mit meinen Bildern wird man das analysieren k\u00f6nnen. Man wird bestimmen k\u00f6nnen, woher er kommt, wohin er fliegt und aus was er besteht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Anna<\/strong>: Ich dachte, er fliegt eineinhalb Millionen Kilometer entfernt an uns vorbei?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Paul<\/strong>: Was ist das schon, kosmisch gesehen? Wenn Du den Schweif siehst, wird Dir klar werden, dass wir nur ein kleines, zerbrechliches Etwas sind. Ein Nichts im Vergleich zum All und zu diesem Kometen, der mit einem Schlag das Leben auf unserer Erde ausl\u00f6schen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Anna<\/strong>: Ich will gar nicht wissen, was da draussen alles rumfliegt.<\/p>\n<p><em>Paul h\u00e4lt sich seinen schmerzenden Kopf. <\/em><\/p>\n<p><strong>Anna<\/strong> (<em>legt ihre Hand auf die von Paul<\/em>): Auf dem Teide w\u00fcrdest Du Dich besser f\u00fchlen.<\/p>\n<p><em>Paul holt eine Karte hervor, f\u00e4hrt darauf mit dem Finger herum<\/em>.<\/p>\n<p><strong>Paul<\/strong>: Drei Tage noch bis zum Ascotan. Ich habe alles berechnet. Wir steigen zum n\u00f6rdlichen Kraterrand auf. 5400 Meter hoch! Es gibt keinen besseren Platz, um Crazy Stone zu beobachten. Keine Wolken, kein Regen, kein Nebel da oben. Nur W\u00fcste um uns herum, staubtrockene W\u00fcste.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Anna <\/strong>(<em>bl\u00e4ttert im Reisef\u00fchrer, liest<\/em>): Hier: \u201eAchten sie auf Anzeichen der H\u00f6henkrankheit. Sie kann lebensbedrohlich sein. Am besten, Sie bleiben nach ihrer Ankunft zwei, drei Tage in der Stadt, um sich zu akklimatisieren.&#8220;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Paul<\/strong>: Das m\u00fcssen die schreiben, um sich abzusichern.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Anna<\/strong>: Die werden schon wissen, warum. Vielleicht sollten wir doch noch ein bisschen hier bleiben. Wir k\u00f6nnten uns ausschlafen, die Stadt anschauen und uns dabei allm\u00e4hlich an die H\u00f6he gew\u00f6hnen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Paul<\/strong>: Soviel Zeit haben wir nicht. Das w\u00fcrde meinen ganzen Plan durcheinander bringen.<\/p>\n<p><strong>Anna:<\/strong> Wir sind gerade erst angekommen.<\/p>\n<p><strong>Paul:<\/strong> Ich bin nicht zum Spa\u00df hier. Ich habe einen Auftrag!<\/p>\n<p><strong>Anna:<\/strong> Und wenn etwas dazwischen kommt? Ein Bus, der kaputtgeht. Eine Steinlawine. Ein Erdbeben. Hast Du das einkalkuliert?<\/p>\n<p><strong>Paul:<\/strong> Das wird nicht passieren.<\/p>\n<p><strong>Anna:<\/strong> Wenn der Kocher streikt oder der Platz f\u00fcr unser Zelt nicht eben genug ist?<\/p>\n<p><strong>Paul:<\/strong> Der Kraterrand ist breit. Ich brauche Weite, endlose Weite. Das findet man nur da oben.<\/p>\n<p><strong>Anna:<\/strong> Wenn Wolken aufziehen?<\/p>\n<p><strong>Paul:<\/strong> Nicht um diese Jahreszeit.<\/p>\n<p><strong>Anna:<\/strong> Wie immer ist alles&#8230;<\/p>\n<p><strong>Paul:<\/strong> &#8230;alles ist kalkuliert. Das Risiko, das etwas schief geht, habe ich auf das Minimum reduziert. Ich habe selbst die Konzentration an Schwefeldampf berechnet. Kein Wissenschaftler betreibt soviel Aufwand, um Crazy Stone zu erforschen.<\/p>\n<p><em>Schweigen. Sie trinken ihren Kaffee. Anna blickt \u00fcber den Platz. Paul betrachtet seine Karte. Unruhige Szenen im Fernseher. Nachrichtensprecher reden eindringlich, Soldaten sind auf dem Bildschirm zu sehen. Ein Schuhputzer-Junge kommt herein, deutet auf Kowalskis Schuhe<\/em>.<em><\/em><\/p>\n<p><strong>Kowalski<\/strong>: Cuanto?<\/p>\n<p><strong>Junge<\/strong>: Veinte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Kowalski<\/strong>: Bueno, quince.<\/p>\n<p><em>Der Junge kniet sich nieder, um Kowalskis Schuhe zu s\u00e4ubern. Als er fertig ist, nimmt er das Geld von Kowalski, dann rutscht er zu Paul r\u00fcber. Der winkt wortlos ab.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Junge<\/strong>: Son sucios.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Paul<\/strong>: Nein, no!<\/p>\n<p><em>Er<\/em> <em>scheucht den Jungen mit einer unwirschen Handbewegung davon<\/em>.<\/p>\n<p><strong>Paul:<\/strong> L\u00e4stige Leute hier.<\/p>\n<p><strong>Anna<\/strong> (<em>bl\u00e4ttert wieder in dem Reisef\u00fchrer<\/em>): Tawoche, das h\u00f6rt sich gut an: \u201eDie Stadt ist wegen ihrer sch\u00f6nen Szenerie bekannt &#8211; sie ist umgeben von schneebedeckten Bergen. Da Tawoche in einer H\u00f6he von nur 1600 Metern liegt, ist das Klima hier viel w\u00e4rmer als auf der Hochebene. Und die Leute sind sehr freundlich.&#8220; Was h\u00e4ltst Du davon?<\/p>\n<p><em>Anna blickt auf, sieht erst Paul an, dann Kowalski, der in einer Zeitung liest.<\/em><\/p>\n<p><strong>Anna<\/strong>: Man kann auf einem alten Handelsweg durch die Berge hinwandern.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Paul: <\/strong>Wohin?<\/p>\n<p><strong>Anna:<\/strong> Nach Tawoche.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Paul<\/strong>: Unser Bus nach Aksu geht in drei Stunden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Anna<\/strong>: Es soll dort sogar eine deutsche B\u00e4ckerei geben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Paul<\/strong>: Was sollen wir in diesem Ort?<\/p>\n<p><strong>Anna:<\/strong> Es war nur eine Idee.<\/p>\n<p><strong>Paul:<\/strong> Du immer mit Deinen Vorstellungen. Der Ascotan ist unser Ziel. Das haben wir doch alles besprochen.<\/p>\n<p><em>Paul rollt mit einem Entfernungsmesser \u00fcber die Karte und dreht sie. Die Leute aus der Bar sehen gebannt auf den Fernseher.<\/em><\/p>\n<p><strong>Paul<\/strong>: S\u00fcdwesten, von hier geht es immer nach S\u00fcdwesten. In Aksu werden wir einen Mietwagen nehmen.<\/p>\n<p><em>Paul legt die Karte zusammen, holt dabei mit den Armen aus und wirft das Bierglas von Kowalski um. Das Bier flie\u00dft \u00fcber Kowalskis Hose. <\/em><\/p>\n<p><strong>Paul<\/strong>: Oh, excuse me.<\/p>\n<p><em>Paul zieht ein Taschentuch hervor, reicht es Kowalski, der seine Hose damit abwischt.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Paul<\/strong>: We will order another one.<\/p>\n<p><em>Kowalski winkt ab. Anna kramt nach einem weiteren Taschentuch, reicht es Kowalski. Der nimmt es, reibt sich damit die Hose trocken. Paul winkt nach dem Kellner, der auf den Fernseher starrt.<\/em><\/p>\n<p><strong>Anna<\/strong>: We&#8217;re very sorry.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Kowalski<\/strong>: Danke f\u00fcr das Mitgef\u00fchl.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Paul<\/strong> (<em>stutzt einen Moment, dass er auf deutsch angesprochen wird<\/em>): Diese Karten&#8230; (<em>lacht kurz auf<\/em>)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Kowalski<\/strong>: Die k\u00f6nnen Sie hier sowieso vergessen.<\/p>\n<p><strong>Paul:<\/strong> Wieso? Diese Karte ist die Grundlage.<\/p>\n<p><strong>Kowalski<\/strong>: Die Karten dieses Landes sind eine Fiktion. Man hat Stra\u00dfen eingezeichnet, wo es keine gibt. Zu viele Berge. Zu viele Steine. Zuviel Sand. Zu gro\u00dfe Phantasien.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Anna: <\/strong>Wollen Sie nicht doch ein neues Bier?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Kowalski <\/strong>(<em>ruft zum Kellner<\/em>): Otro, por favor.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Anna<\/strong> (<em>reicht Kowalski die Hand<\/em>): Anna. Und das ist Paul. Wir werden Ihnen nat\u00fcrlich die Reinigung Ihrer Sachen bezahlen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Kowalski<\/strong>: Kowalski. Nein, keine Reinigung.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Paul<\/strong>: Vielleicht gibt es hier&#8230;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Kowalski<\/strong>: Das dauert viel zu lange.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Anna<\/strong>: In zwei, drei Stunden ist das erledigt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Kowalski<\/strong>: So lange kann ich nicht warten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Anna<\/strong>: Sind Sie auf Reise?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Kowalski<\/strong>: Sozusagen.<\/p>\n<p><em>Schweigen<\/em><\/p>\n<p><strong>Anna<\/strong>: Wir sind gerade erst angekommen. Das war ein langer Flug hier r\u00fcber. 20 Stunden mit Umsteigen. In Miami mussten wir f\u00fcnf Stunden warten.<\/p>\n<p><strong>Paul:<\/strong> Eine Frechheit, was die sich erlauben. Selbst als Transitpassagier muss man in das Land einreisen. Eine Stunde standen wir in der Schlange. Dann diese penetranten Fragen: Was wir dort wollen? Wie lange wir bleiben? Welchen Beruf ich aus\u00fcbe? Geowissenschaftler, habe ich gesagt. Damit konnten die nichts anfangen. Schlie\u00dflich Fingerabdr\u00fccke, Fotos, anschlie\u00dfend das Gep\u00e4ck abholen und wieder neu aufgeben. Die sind ja wahnsinnig.<\/p>\n<p><strong>Anna:<\/strong> Wir werden nie mehr \u00fcber Miami fliegen.<\/p>\n<p><strong>Paul:<\/strong> Nichts gegen Sicherheit. Aber was die dort treiben&#8230;<\/p>\n<p><strong>Anna<\/strong>: Man muss sich erst wieder an das Reisen gew\u00f6hnen. Diese Unruhe, die aufkommt. Vielleicht auch Angst. Vor dem Neuen, ich wei\u00df nicht. Kennen Sie eigentlich den Ascotan?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Kowalski<\/strong>: Wen?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Anna<\/strong>: Den Berg. Wir wollen ihn besteigen.<strong><\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Paul<\/strong>: Niemand sonst kennt den Ascotan.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Anna<\/strong>: Vielleicht doch. M\u00f6glicherweise hat er Informationen. Wie wir hinkommen. Was uns dort erwartet.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Paul<\/strong>: Wir wissen bereits alles.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Anna<\/strong>: Darum geht es doch gar nicht. (<em>Zu Kowalski<\/em>): Er redet seit Monaten von nichts anderem als diesen Berg. Er hat haufenweise B\u00fccher gelesen.<\/p>\n<p><strong>Paul<\/strong>: Es h\u00e4tte keinen Sinn gemacht, ohne exakte Planung hierher zu fahren.<\/p>\n<p><em>Kowalski dreht sich ein wenig zur Seite, liest weiter in seiner Zeitung. Nach einer Weile.<\/em><\/p>\n<p><strong>Anna<\/strong>: Entschuldigen Sie, wenn wir Sie gest\u00f6rt haben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Kowalski <\/strong>(<em>deutet auf den Fernseher<\/em>): Haben Sie sich auch dar\u00fcber informiert?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Anna:<\/strong> Was?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Kowalski<\/strong>: Die Unruhen. Wenn Sie zu diesem Ascotan wollen, sollten Sie bald die Stadt verlassen.<\/p>\n<p><strong>Anna<\/strong>: Ein Putsch?<\/p>\n<p><strong>Kowalski<\/strong>: Offenbar haben die Milit\u00e4rs genug von den Politspielereien des Pr\u00e4sidenten. In den n\u00e4chsten Tagen k\u00f6nnte es ziemlich ungem\u00fctlich werden.<\/p>\n<p><strong>Paul:<\/strong> Es wird schon nicht so schlimm werden.<\/p>\n<p><strong>Kowalski:<\/strong> Man muss mit allem rechnen: Stra\u00dfensperren. Verhaftungen. Schie\u00dfereien.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Paul: <\/strong>Die haben doch diesen Ultralinken als Pr\u00e4sidenten. Der Mann hat sowieso keine Zukunft.<\/p>\n<p><strong>Kowalski:<\/strong> Immerhin hat er eine Menge Anh\u00e4nger im Volk. Die werden den Aufstand der Milit\u00e4rs nicht so einfach hinnehmen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Anna: <\/strong>Das klingt spannend, nicht Paul?<\/p>\n<p><strong>Paul:<\/strong> Politik ist das eine. Mein Projekt etwas anderes. Es gibt keine Verbindungen.<\/p>\n<p><strong>Kowalski:<\/strong> Da w\u00e4re ich mir nicht so sicher.<\/p>\n<p><strong>Anna:<\/strong> Was soll man schon machen?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Kowalski<\/strong>: Ich werde schauen, dass ich wegkomme, solange die Stadt noch nicht v\u00f6llig abgesperrt ist.<\/p>\n<p><strong>Anna<\/strong>: Wohin?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Kowalski<\/strong>: Nach Antofagasta.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Anna: <\/strong>Wo ist das?<\/p>\n<p><strong>Kowalski:<\/strong> Auf der anderen Seite der Berge, an der K\u00fcste.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Paul<\/strong>: Aha, wohl auf den Spuren von San Pedro, was?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Kowalski<\/strong>: Ich folge nie irgendwelchen Spuren.<\/p>\n<p><em>Paul fasst sich an den Kopf, verzieht das Gesicht. Schwei\u00df steht ihm auf der Stirn. Er erhebt sich, geht auf die Toilette. Im Gehen legt er kurz seine Hand auf Annas Schulter.<\/em><\/p>\n<p><strong>Anna<\/strong> (<em>zu Kowalski<\/em>): Ein eigenartiger Zufall, Sie hier zu treffen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Kowalski<\/strong>: Man trifft st\u00e4ndig irgendwo irgendjemanden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Anna<\/strong>: Ich meine, so weit weg von Zuhause.<\/p>\n<p align=\"left\"><em>Anna sieht ihn an, nimmt einen Schluck Kaffee, l\u00e4chelt.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Anna<\/strong>: Ich rede vielleicht einen Bl\u00f6dsinn.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Kowalski sieht sie wortlos an. <\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Anna<\/strong>: Und ich dachte, Sie verstehen nicht.<\/p>\n<p><em>Kowalski zuckt mit den Schultern.<\/em><\/p>\n<p><strong>Anna<\/strong>: Was halten Sie von seinem Plan, den Ascotan zu besteigen?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Kowalski<\/strong>: Berge sind wohl dazu da.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Anna<\/strong>: Er will von dort oben diesen Kometen fotografieren. Crazy Stone.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Kowalski<\/strong>: Wenn es ihm gef\u00e4llt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Anna: <\/strong>Er hat einen Forschungsauftrag, wissen Sie. Er will den Kometen mit einer Spezialkamera fotografieren. Paul meint, nirgendwo sei die Luft so klar wie an diesem Berg. Crazy Stone werde direkt dr\u00fcberfliegen, so nah wie kein anderer Komet. Finden Sie das spannend?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Kowalski<\/strong>: Es ist zumindest ungew\u00f6hnlich.<\/p>\n<p><strong>Anna:<\/strong> Verr\u00fcckt nicht?<\/p>\n<p><strong>Kowalski:<\/strong> Und Sie? Finden Sie das spannend?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Anna<\/strong>: Keine Ahnung, ob mich Sterne und Kometen interessieren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Kowalski: <\/strong>Warum fahren Sie dann mit?<\/p>\n<p><strong>Anna:<\/strong> Paul w\u00e4re entt\u00e4uscht.<\/p>\n<p><em>Schweigen. Paul kehrt zur\u00fcck, setzt sich, sieht auf die Uhr.<\/em><\/p>\n<p><strong>Paul:<\/strong> Wir m\u00fcssen los.<\/p>\n<p><strong>Anna<\/strong> (<em>zu Kowalski<\/em>): Nach Aksu.<\/p>\n<p><strong>Paul:<\/strong> Und von dort weiter zum Ascotan.<\/p>\n<p><strong>Anna:<\/strong> Kommt man auf dem Weg nach Antofagasta eigentlich in Aksu vorbei?<\/p>\n<p><strong>Kowalski:<\/strong> Je nachdem, welche Route man nimmt.<\/p>\n<p><strong>Paul <\/strong>(<em>zu Anna<\/em>): Wir nehmen den Bus!<\/p>\n<p><strong>Anna: <\/strong>Vielleicht f\u00e4hrt gar kein Bus mehr.<\/p>\n<p><em>Sie sehen zum Fernseher.<\/em><\/p>\n<p><strong>Kowalski<\/strong> (<em>erhebt sich<\/em>): Ich muss ebenfalls weiter. Erst bringen die Putschisten den Pr\u00e4sidentenpalast unter ihre Kontrolle, dann die Medien und schlie\u00dflich das ganze Land.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Paul:<\/strong> Sie \u00fcbertreiben.<\/p>\n<p><strong>Kowalski:<\/strong> Es ist nicht so harmlos, wie es aussieht.<\/p>\n<p><strong>Anna: <\/strong>Wir m\u00fcssten nur schauen, dass wir schneller als die Putschisten sind.<\/p>\n<p><strong>Paul:<\/strong> Lass Dich durch das Gerede nicht verunsichern.<\/p>\n<p><em>Kowalski legt Geld auf den Tisch. Dann geht er Richtung T\u00fcr. <\/em><\/p>\n<p><strong>Anna: <\/strong>H\u00e4tten Sie denn etwas dagegen, wenn wir ein St\u00fcck mit Ihnen fahren w\u00fcrden?<\/p>\n<p><em>Kowalski dreht sich um. <\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Paul: <\/strong>Auf keinen Fall.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Anna: <\/strong>Bis Aksu vielleicht?<\/p>\n<p><strong>Kowalski<\/strong>: Ich kann nichts versprechen.<\/p>\n<p><strong>Paul:<\/strong> Ich werde mich auf keine vagen Aussagen einlassen.<\/p>\n<p><strong>Anna:<\/strong> Immerhin f\u00e4hrt er in die Richtung.<\/p>\n<p><strong>Paul:<\/strong> Die Richtung allein n\u00fctzt uns nichts.<\/p>\n<p><strong>Anna:<\/strong> Willst Du, dass Deine Forschungsreise hier schon zu Ende geht?<\/p>\n<p><strong>Paul: <\/strong>Davon kann \u00fcberhaupt keine Rede sein. Ich habe einen Plan.<\/p>\n<p><strong>Anna: <\/strong>Vielleicht sollten wir ihn ein bisschen \u00e4ndern, damit Du Dein Ziel rechtzeitig&#8230;<\/p>\n<p><strong>Paul:<\/strong> Wieso <em>mein<\/em> Ziel?<\/p>\n<p><strong>Kowalski:<\/strong> Was wollen Sie jetzt?<\/p>\n<p><strong>Paul <\/strong>(<em>zu Anna<\/em>)<strong>:<\/strong> St\u00e4ndig f\u00e4llt Dir etwas Anderes ein.<\/p>\n<p><em>Anna erhebt sich. Sie nimmt ihr Gep\u00e4ck und geht hinter Kowalski durch die T\u00fcr. <\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Paul:<\/strong> Du hast also entschieden.<\/p>\n<p><em>Paul folgt ihr. <\/em><\/p>\n<p>\u00a9 <em>Bergsturz<\/em> Mehr lesen? Mail an\u00a0bergsturz_64@gmx.de<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Personen: -Kowalski (Gesch\u00e4ftsreisender) -Anna und Paul (ein Paar auf Forschungsreise) -Soldat -Kellner -Musiker (kann auch den Schuhputzer spielen) -Schuhputzerjunge I Die Begegnung Eine Stadt in den Anden. Auf der Terrasse einer einfachen Kneipe. An der Wand ein Fernseher. Unruhige Bilder &hellip; <a href=\"https:\/\/bergsturz.net\/?page_id=67\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":7,"menu_order":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","template":"","meta":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/bergsturz.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/67"}],"collection":[{"href":"https:\/\/bergsturz.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/bergsturz.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/bergsturz.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/bergsturz.net\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=67"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/bergsturz.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/67\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1488,"href":"https:\/\/bergsturz.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/67\/revisions\/1488"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/bergsturz.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/7"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/bergsturz.net\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=67"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}