{"id":68,"date":"2009-03-01T19:54:22","date_gmt":"2009-03-01T17:54:22","guid":{"rendered":"http:\/\/bergsturz.net\/?page_id=68"},"modified":"2016-10-21T16:54:21","modified_gmt":"2016-10-21T14:54:21","slug":"montesinos","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/bergsturz.net\/?page_id=68","title":{"rendered":"Der Pr\u00e4sident  und der Herr vom Geheimdienst"},"content":{"rendered":"<p>Vor Beginn des St\u00fcckes wirft ein Projektor folgende Informationen auf den Vorhang oder eine Leinwand:<\/p>\n<h3>Vladimiro Lenin Montesinos Torres<\/h3>\n<p>geboren am 20. Mai 1945 in Arequipa, Peru<\/p>\n<p>Haarfarbe: schwarz<\/p>\n<p>Augenfarbe: schwarz<\/p>\n<p>Gr\u00f6sse: mittelgro\u00df<strong><\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wahlausweis Nr. 25199645<\/p>\n<p>Personalausweis Nr. 09296012<\/p>\n<p>Reisep\u00e4sse:<\/p>\n<p>&#8211;\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Nr .003558, Ausstellungsdatum unbekannt<\/p>\n<p>&#8211;\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Nr. 0000185, ausgestellt am 14.11.1995<\/p>\n<p>&#8211;\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Nr. 0053205, ausgestellt am 19.3.1998<\/p>\n<p>&#8211;\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Nr. 1619539, ausgestellt am 9.11.1998<\/p>\n<p>&#8211;\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Nr. 1669488, ausgestellt am 2.3.1999<\/p>\n<hr style=\"text-align: justify;\" noshade=\"noshade\" size=\"2\" \/>\n<h2>Blick nach vorn<\/h2>\n<p>Vladimiro Montesinos; Alberto Fujimori; der Medienunternehmer Ernesto Schutz; Pinchi Pinchi<\/p>\n<p><b>\u00a0<\/b><\/p>\n<p><i>Eine Feier. Hintergrundmusik. <\/i><\/p>\n<p><b>Fujimori<\/b> <i>hebt sein Rotweinglas<\/i>: Zum Wohl, meine Freunde. Lasst uns auf dieses Jahr trinken. Ein weiteres Jahr. Wir haben viel erreicht. F\u00fcr diese Land. F\u00fcr die Menschen. F\u00fcr uns!<\/p>\n<p><i>Beifall von den Umstehenden<\/i><\/p>\n<p><b>Fujimori:<\/b> Die Inflation zum Beispiel. Vor drei Jahren lag sie noch bei&#8230; <i>blickt fragend in die Runde<\/i><\/p>\n<p><b>Schutz:<\/b> &#8230;7600.<\/p>\n<p><b>Fujimori:<\/b> \u2026bei 7600 Prozent. Heute sind wir bei, \u00e4hh, bei 140 Prozent. Oder eher darunter, nicht wahr? Was f\u00fcr eine Entwicklung, meine Freunde! Von 7600 auf 140. Wenn man bedenkt, dass vor uns nur Chaos und Terror herrschte. Und jetzt?<\/p>\n<p><b>Schutz:<\/b> Bravo. <i>Klatscht, die anderen tun es ihm nach <\/i>Die Leute sind Ihnen dankbar. Ich wei\u00df das, denn ich habe jeden Tag mit ihnen zu tun. Endlich k\u00f6nnen sie mit ihrem Geld wieder etwas anfangen. Einkaufen. Ins Restaurant gehen. Ihr wisst, wie gerne die Leute ausgehen. Das Geld hat wieder einen Wert. Das ist es, was z\u00e4hlt.<\/p>\n<p><b>Pinchi Pinchi:<\/b> Wenn dir das Geld in den Fingern zerrinnt, hast du keine Sicherheit. Alles zerrinnt. Nichts bleibt. Und jetzt? Jetzt haben wir wieder Verl\u00e4sslichkeit. Das ist das Wichtigste: Verl\u00e4sslichkeit. Bravo Pr\u00e4sident! Bravo Fuji! <i>Erneutes Klatschen<\/i><\/p>\n<p><b>Fujimori:<\/b> Danke, Freunde. Danke. Wir haben hart gearbeitet f\u00fcr diesen Erfolg. Doch wir d\u00fcrfen uns nicht ausruhen. Es bleibt noch viel zu tun. Der Terror&#8230; Wir werden alles tun, um Guzm\u00e1n zu kriegen. Guzm\u00e1n ist das Problem. Er hat viele Anh\u00e4nger. Dieses ganze revolution\u00e4re Geschmei\u00df. Wir k\u00f6nnen keine R\u00fccksicht mehr nehmen. Jemand muss diesen Job erledigen. Ich werde nicht nur das Geld sicher machen, sondern auch dieses Land. Ich will, dass die Menschen nachts wieder auf die Stra\u00dfe gehen k\u00f6nnen. Dass sie wieder reisen k\u00f6nnen, ohne \u00fcberfallen zu werden. Dass sie in ihren D\u00f6rfern nicht mehr von feigen Killern umgebracht werden.<\/p>\n<p>Und dann, liebe Freunde, wenn das geschafft ist, werden wir dieses Land in eine neue \u00c4ra f\u00fchren. Wir werden es wirtschaftlich voranbringen und zu einem Vorbild f\u00fcr den ganzen Kontinent machen. Denn Peru hat es verdient. Die Peruaner haben es verdient. Ihr habt es verdient. Danke.<\/p>\n<p><i>Beifall<\/i><\/p>\n<p><b>Schutz<\/b> <i>wendet sich Fujimori zu<\/i>: Es hei\u00dft, ihr wollt jetzt doch an das Thema Privatisierungen rangehen.<\/p>\n<p><b>Fujimori:<\/b> Wie \u201ees hei\u00dft\u201c? Frage mich, Ernesto, frage mich. Ich bin der Pr\u00e4sident. Ich sollte es wissen. Der Staat muss nicht mehr alles selber machen. Fluglinien, Bergwerke, Energie, Telekommunikation \u2013 das k\u00f6nnen private Firmen ebenso gut. Mindestens. Uns bringt es Milliarden. Wir k\u00f6nnen das Geld gebrauchen. Der Kampf gegen den Terror kostet.<\/p>\n<p><b>Schutz:<\/b> Die Leute haben Angst um ihre Arbeitspl\u00e4tze.<\/p>\n<p><b>Fujimori:<\/b> Schon wieder so eine Floskel, Ernestito. \u201eDie Leute.\u201c Wer sind \u201edie Leute?\u201c Zu mir ist noch keiner gekommen. Niemand wird wegen der Privatisierung seinen Job verlieren. Im Gegenteil: Wir werden neue schaffen. Arbeit f\u00fcr alle, Ernesto.<\/p>\n<p><b>Schutz:<\/b> Ich sage nur, was die Leute denken. Damit Du Bescheid wei\u00dft. Die Gewerkschaften&#8230;<\/p>\n<p><b>Montesinos<\/b> <i>tritt dazu, legt seine Hand auf Ernestos Schulter<\/i>: Die Gewerkschaften haben wir unter Kontrolle, Ernesto. Mach dir keine Sorgen. Der Pr\u00e4sident wird in den n\u00e4chsten Wochen durch das Land reisen und deutlich machen, wof\u00fcr die Regierung steht. Er wird Schecks verteilen, Suppenk\u00fcchen er\u00f6ffnen, Kinderg\u00e4rten einweihen. Da w\u00e4re es gut, wenn du ein Kamerateam mitschickst.<\/p>\n<p><b>Schutz:<\/b> Klar, sowas gibt immer gute Bilder. Ich werde gleich morgen&#8230;<\/p>\n<p><b>Montesinos:<\/b> \u2026Nicht n\u00f6tig Bruder, ich habe schon mit Romero gesprochen.<\/p>\n<p><b>Schutz:<\/b> So?<\/p>\n<p><b>Montesinos:<\/b> Ein guter Journalist. Auf den kann man sich verlassen. Au\u00dferdem m\u00fcssen wir an die n\u00e4chsten Wahlen denken.<\/p>\n<p><b>Schutz:<\/b> Ihr wisst, dass eine Wiederwahl nicht m\u00f6glich ist.<\/p>\n<p><b>Montesinos<\/b> <i>l\u00e4chelt<\/i>: Die Verfassung muss nicht auf alle Zeiten festgeschrieben sein.<\/p>\n<p><b>Schutz:<\/b> Daf\u00fcr bekommt ihr in Kongress und Parlament keine Mehrheit.<\/p>\n<p><b>Fujimori:<\/b> Alles nur eine Frage der \u00dcberzeugung.<\/p>\n<p><b>Montesinsos:<\/b> Es sitzen zu viele Querulanten in diesen Labergremien. Die denken nur an sich. Das Land interessiert die doch nicht<\/p>\n<p><b>Fujimori:<\/b> Eben. Da m\u00fcssen wir ansetzen. <i>Wendet sich den anderen G\u00e4sten zu<\/i><\/p>\n<p><b>Montesinos:<\/b> <i>Zu Schutz<\/i> Wir beide wissen doch, dass die Kompetenzen des Kongresses sowieso zu weit gehen.<\/p>\n<p><b>Schutz<\/b> <i>erstaunt<\/i>: Aber\u2026<\/p>\n<p><b>Montesinos:<\/b> Vor\u00fcbergehende Eingriffe, nicht mehr. Und das auch nur, wenn es gar nicht anders nicht geht.<\/p>\n<p><b>Schutz:<\/b> Wie soll ich das den Zuschauern erkl\u00e4ren?<\/p>\n<p><b>Montesinos:<\/b> Dir wird schon was einfallen, Ernesto. Soll denn wieder so ein Spinner wir Garcia die Macht \u00fcbernehmen? Das Land zur\u00fcckwerfen in die Anarchie? Gewalt und Terror? Nein, der Pr\u00e4sident wird seine Aufgabe zu Ende f\u00fchren. Und Du kannst etwas daf\u00fcr tun. Du bist ein m\u00e4chtiger Mann. Deine Sendungen sehen Millionen.<\/p>\n<p><b>Schutz:<\/b> Ich muss auf meine Glaubw\u00fcrdigkeit achten. Man darf nicht zu plump werden.<\/p>\n<p><b>Montesinos:<\/b> Sicher, Du musst Distanz wahren. Daf\u00fcr hast du ja deine kritischen Leute. Hildebrandt zum Beispiel. Ihr macht ja diese Interviews mit dem Schreiber. Gorriti. Ihr hinterfragt doch: Wer ist der Pr\u00e4sident wirklich? Macht er einen guten Job? Macht ihr doch alles. Nat\u00fcrlich brauchst du auch die gro\u00dfen Namen. Die Chefs. Die, die entscheiden und alles regeln. Ich k\u00f6nnte dich mal wieder mit der Col\u00e1n zusammenbringen.<\/p>\n<p><b>Schutz:<\/b> Klar, die Col\u00e1n ist immer gut f\u00fcr die Quote.<\/p>\n<p><b>Montesinos:<\/b> Ich denke an dich. Die Frau ist \u00fcber jeden Zweifel erhaben. Niemand sagt ein schlechtes Wort \u00fcber die Oberstaatsanw\u00e4ltin. Sie bezieht klare Positionen. Sowas brauchst du f\u00fcr deine Glaubw\u00fcrdigkeit. Die Steuersache des Pr\u00e4sidenten \u2013 sie sagt, das ist wasserdicht. Leider glauben das da drau\u00dfen noch nicht alle. Also w\u00e4re es gut, wenn es ihnen die Col\u00e1n direkt sagen w\u00fcrde. Oder diese alte Geschichte mit seiner Nationalit\u00e4t. Immer r\u00fchrt da wieder einer drin rum. Die Col\u00e1n hat das doch untersucht. Alberto ist Peruaner, basta. Es w\u00fcrde helfen, wenn sie das den Leuten noch mal so eindeutig sagen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p><b>Schutz: <\/b>Klar, schick sie vorbei. Ich werde meine besten Leute da ransetzen.<\/p>\n<p><b>Montesinos:<\/b> Ich rede gleich morgen mit ihr. Das festigt eure Position. Du musst ja auch schauen, wo du bleibst, nicht? Du machst seri\u00f6sen Journalismus. Keine Polemik. Keine Chicha, diesen M\u00fcll.<\/p>\n<p><i>Pinchi Pinchi und Fujimori treten dazu:<\/i><\/p>\n<p><b>Pinchi Pinchi:<\/b> <i>Zu Montesinos<\/i> Und, wann nehmt ihr euch Guzm\u00e1n vor?<\/p>\n<p><b>Montesinos:<\/b> Er wechselt mittlerweile w\u00f6chentlich die Wohnung. Der Mann ist nerv\u00f6s.<\/p>\n<p><b>Pinchi Pinchi:<\/b> Daf\u00fcr h\u00e4lt er sich ziemlich lange.<\/p>\n<p><b>Fujimori:<\/b> Er konnte nur so stark werden, weil Garcia ihn in Ruhe gelassen hat. Er brauchte Guzm\u00e1n als Buhmann, um in Ruhe seine eigenen Gesch\u00e4fte machen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><b>Montesinos:<\/b> In der Beziehung k\u00f6nnte man direkt von ihm lernen.<\/p>\n<p><b>Pinchi Pinchi:<\/b> Also Guzm\u00e1n noch eine Weile zappeln lassen?<\/p>\n<p><b>Montesinos:<\/b> Wenn der Fisch zu lange am Haken h\u00e4ngt, f\u00e4ngt er an zu stinken.<\/p>\n<p><b>Fujimori:<\/b> Guzm\u00e1n meint vielleicht, die Leute w\u00fcrden seine Verschw\u00f6rungstheorien unterst\u00fctzen. Diese Gefasel von Gleichheit und Gerechtigkeit. Ich werde diesen wahnsinnigen Terroristen zur Strecke bringen. Man darf nicht zu lange z\u00f6gern. Sonst verlieren die Leute das Vertrauen. Sonst denken sie, der kann es nicht.<\/p>\n<p><b>Montesinos:<\/b> Bei Guzm\u00e1n hilft nur H\u00e4rte.<\/p>\n<p><b>Fujimori:<\/b> Wenn ich Guzm\u00e1n habe, habe ich das ganze Volk.<\/p>\n<p><b>Pinchi Pinchi:<\/b> Dann sind Ihnen die n\u00e4chsten zehn Jahre ja sicher, Pr\u00e4sident.<\/p>\n<p><i>Lachen<\/i><\/p>\n<p>Mehr lesen? <span style=\"color: #0000ff;\">bergsturz_64@gmx.de<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor Beginn des St\u00fcckes wirft ein Projektor folgende Informationen auf den Vorhang oder eine Leinwand: Vladimiro Lenin Montesinos Torres geboren am 20. 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