{"id":1803,"date":"2019-06-17T22:53:50","date_gmt":"2019-06-17T20:53:50","guid":{"rendered":"http:\/\/54055846.swh.strato-hosting.eu\/?p=1803"},"modified":"2019-06-24T08:42:45","modified_gmt":"2019-06-24T06:42:45","slug":"me-too-hysterie-in-der-sueddeutschen-zeitung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bergsturz.net\/?p=1803","title":{"rendered":"&#8222;Me Too&#8220;-Hysterie in der S\u00fcddeutschen Zeitung"},"content":{"rendered":"<p>Die <em>S\u00fcddeutsche Zeitung<\/em> ver\u00f6ffentlichte in ihrer Ausgabe vom 15.\/16. Juni 2019 ein Foto, das nach Ansicht der Autorin sexistische Werbung zeigt:<\/p>\n<p><img src=\"https:\/\/media-cdn.sueddeutsche.de\/image\/sz.1.4485503\/860x860?v=1560497406000&amp;method=resize&amp;cropRatios=0:0-Zoom-www\" alt=\"Interview Interview\" \/><\/p>\n<p>Dazu f\u00fchrte die Autorin folgendes Interview:<\/p>\n<p><strong>&#8222;Wenn Frauen lachen, da gibt&#8217;s nichts Sch\u00f6neres&#8220;<\/strong><\/p>\n<p><em>Was tun bei sexistischer Werbung? Wir haben bei S\u00e4gewerksbesitzer R\u00fcdis\u00fchli angerufen, der gerade mit einem Plakat f\u00fcr &#8222;Holz vor der H\u00fctte&#8220; wirbt, und gefragt: Was haben Sie sich dabei gedacht?<\/em><\/p>\n<p>Interview von Tanja Rest<\/p>\n<p>Parallelwelten im &#8222;Me Too&#8220;-Zeitalter: W\u00e4hrend sich in der einen Wirklichkeit eine feministisch hoch sensibilisierte Gruppe die K\u00f6pfe zerbricht \u00fcber die Frage, ob man Frauen noch in den Mantel helfen darf, Quoten f\u00fcr die Besetzung von F\u00fchrungsjobs braucht und das Binnen-I verpflichtend einf\u00fchren sollte, fungieren in der anderen Wirklichkeit Frauen noch als freiz\u00fcgige Postergirls, mit denen man zum Beispiel Holz verkaufen kann. Ein Anruf bei Rodolfo R\u00fcdis\u00fchli, der im Schweizer Grenzort Martina ein S\u00e4gewerk betreibt.<\/p>\n<p><strong>SZ: Herr R\u00fcdis\u00fchli, eine Kollegin kam bei einer Radtour nach Meran k\u00fcrzlich an Ihrem Plakat vorbei und hat mir ein Foto davon geschickt. Sie wissen, von welchem Plakat die Rede ist?<\/strong><\/p>\n<p>Rodolfo R\u00fcdis\u00fchli: Jaja, ich kenn das schon.<\/p>\n<p><strong>Auf dem Plakat sieht man vier auf dem Bauch liegende Frauen im tief ausgeschnittenen Dirndl, der Busen quillt einem praktisch entgegen. \u00dcber den Frauen steht: &#8222;Wir haben Holz vor der H\u00fctte.&#8220; Drunter: &#8222;&#8230; greifen Sie zu!&#8220;<\/strong><\/p>\n<p>Ja.<\/p>\n<p><strong>Finden Sie das Plakat gelungen?<\/strong><\/p>\n<p>Wenn ich&#8217;s nicht gelungen f\u00e4nde, h\u00e4tte ich&#8217;s nicht gemacht.<\/p>\n<p><strong>Worauf genau bezieht sich das &#8222;Greifen Sie zu&#8220;?<\/strong><\/p>\n<p>Ja gut, wir sind ein S\u00e4gewerk, und auf dem Plakat ist Holz zu sehen.<\/p>\n<p><strong>Weil das n\u00e4mlich nicht ganz klar wird, dass das Holz gemeint ist. Verstehen Sie, was ich meine?<\/strong><\/p>\n<p>Jaja.<\/p>\n<p><strong>Was haben Br\u00fcste mit Holz zu tun?<\/strong><\/p>\n<p>Das sind ja keine Br\u00fcste, sondern das sind Frauen, die lachen. Die haben ein Dirndl an und sind gut gekleidet.<\/p>\n<p><strong>Man guckt ihnen aber direkt in den Ausschnitt.<\/strong><\/p>\n<p>Ja, wenn man das will, schon. Man kann aber auch aufs Holz schauen.<\/p>\n<p><strong>Sie k\u00f6nnen sich aber schon vorstellen, warum ich anrufe?<\/strong><\/p>\n<p>Bis jetzt hab ich nur positive Reaktionen bekommen.<\/p>\n<p><strong>Es hat sich noch niemand beschwert?<\/strong><\/p>\n<p>Nein, nein, \u00fcberhaupt nicht.<\/p>\n<p><strong>Kennen Sie die vier Frauen auf dem Plakat?<\/strong><\/p>\n<p>Ja, die kenne ich alle pers\u00f6nlich, das sind Kolleginnen von mir. Also die arbeiten nicht bei mir im S\u00e4gewerk, aber ich kenne sie privat.<\/p>\n<p><strong>Und die haben da gerne mitgemacht?<\/strong><\/p>\n<p>Die haben mir das offeriert.<\/p>\n<p><strong>Das Motiv war deren Idee?<\/strong><\/p>\n<p>Ich habe gesagt: Das w\u00e4r doch eine Werbung. Und dann haben sie gesagt: Ja. Also die haben gerne mitgemacht.<\/p>\n<p><strong>Und der Spruch &#8222;Holz vor der H\u00fctte&#8220;, das war auch Ihre Idee?<\/strong><\/p>\n<p>Ich meine, wir sind ein S\u00e4gewerk. Ein S\u00e4gewerk hat Holz vor der H\u00fctte.<\/p>\n<p><strong>Und offenbar auch Br\u00fcste.<\/strong><\/p>\n<p>Also das Dirndl, wenn das nicht okay ist, dann versteh ich das Ganze nicht. Die Frauen sind richtig anst\u00e4ndig gekleidet.<\/p>\n<p><strong>Es gibt seit einiger Zeit eine weltweite Debatte unter dem Stichwort &#8222;Me Too&#8220;, haben Sie von der mal geh\u00f6rt?<\/strong><\/p>\n<p>Nein, hab ich noch nicht.<\/p>\n<p><strong>Bei der Debatte geht es um sexuelle \u00dcbergriffe auf Frauen, aber auch um allt\u00e4glichen Sexismus. Zum Beispiel um sexistische Darstellung von Frauen in der \u00d6ffentlichkeit. Zum Beispiel auf Ihrem Plakat.<\/strong><\/p>\n<p>Von mir dazu kein Kommentar.<\/p>\n<p><strong>Herr R\u00fcdis\u00fchli, haben Sie Familie?<\/strong><\/p>\n<p>Jaja.<\/p>\n<p><strong>Vielleicht auch eine Tochter?<\/strong><\/p>\n<p>Ist ja egal, eigentlich.<\/p>\n<p><strong>Sagen wir, eine der vier Frauen \u00fcber dem &#8222;&#8230; greifen Sie zu!&#8220; w\u00e4re Ihre Tochter, w\u00e4re Ihnen wohl dabei?<\/strong><\/p>\n<p>Es geht ja ums Holz und nicht um die M\u00e4dchen.<\/p>\n<p><strong>Warum sind sie dann drauf?<\/strong><\/p>\n<p>Weil wenn ich Holz draufmache, dann schaut niemand hin.<\/p>\n<p><strong>Ach so.<\/strong><\/p>\n<p>Es geht um das Lachen der Frauen.<\/p>\n<p><strong>Komisch. Mir kommt es so vor, als ginge es eher um die Br\u00fcste.<\/strong><\/p>\n<p>Ich schau doch nicht auf die Br\u00fcste.<\/p>\n<p><strong>Sie h\u00e4tten die Frauen auch hinstellen k\u00f6nnen.<\/strong><\/p>\n<p>Und dann sieht man die Beine, ist das besser?<\/p>\n<p><strong>Das w\u00e4re schon etwas besser, ja.<\/strong><\/p>\n<p>Also, ihr Deutsche habt irgendein Problem mit dem Theater.<\/p>\n<p><strong>Sie finden, wir Deutsche stellen uns an?<\/strong><\/p>\n<p>Ja, das denke ich schon. Ihr schaut das anders an als wir. Wenn Frauen lachen, da gibt&#8217;s ja nichts Sch\u00f6neres, oder? Wieso macht ihr ein Oktoberfest, sagen Sie das mal, wieso macht ihr das?<\/p>\n<p><strong>Gegen lachende Frauen im Dirndl hat keiner was. Aber lachende Frauen im Dirndl, denen man zwischen die Br\u00fcste fotografiert hat, um dann Holz zu verkaufen, das ist sexistisch.<\/strong><\/p>\n<p>Man sieht doch keine Br\u00fcste! Man sieht vielleicht das Dekollet\u00e9.<\/p>\n<p><strong>Noch mal die Frage: Wenn Ihre Tochter da liegen w\u00fcrde, das w\u00e4re in Ordnung?<\/strong><\/p>\n<p>Wieso sollte sie nicht mitmachen? Ja sicher, da sehe ich kein Problem. Wenn meine Frau ein bisschen j\u00fcnger w\u00e4re, h\u00e4tte ich sie auch noch draufgestellt.<\/p>\n<p><strong>Aber nur, wenn sie j\u00fcnger w\u00e4re.<\/strong><\/p>\n<p>Also es muss ja auch noch gut aussehen.<\/p>\n<p><strong>Halten wir fest: Sie finden das Plakat gelungen, Beschwerden gab es nicht, die Frauen haben gerne mitgemacht, und darum bleibt das Plakat, wo es ist.<\/strong><\/p>\n<p>So ist es.<\/p>\n<p><strong>Wenn ich Ihnen jetzt mitteile: Mich als Frau st\u00f6rt es &#8211; was sagen Sie dazu?<\/strong><\/p>\n<p>Was soll ich dazu sagen? Das ist dann halt Ihre Meinung.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Darauf ein Schreiben von Blog-Betreiber Thorsten Sch\u00fcller an die Autorin des Interviews, Tanja Rest:\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Sehr geehrte Frau Rest,<\/p>\n<p>mit Interesse habe ich, Mann, Ihren Beitrag \u00fcber das angeblich frauenverst\u00f6rende Werbeplakat eines Schweizer S\u00e4gewerkbetreibers gelesen. Trotz Ihres nachhaltigen Versuchs, dem Interviewten eine frauenverachtende und sexistische Haltung zu unterstellen, muss ich Ihrem Gespr\u00e4chspartner Recht geben: Hier ist kein Busen zu sehen! Hier sind z\u00fcchtig angezogene Frauen zu sehen. Gut, man h\u00e4tte ihnen noch einen Pullover oder eine Jacke verpassen k\u00f6nnen, damit sie dem modernen und z\u00fcchtigen Zeitgeist, den Sie in Ihrem Beitrag predigen, entsprechen.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich ist das Plakat in Bild und Wort simpel gemacht, und versucht es mit einem uralten Trick: Wenn schon das Produkt (Holz) nicht zieht, dann vielleicht eine (vier) attraktive Frauen. Das ist nicht sehr intelligent, aber vielleicht funktioniert es. Hier liegt aber keine knackige Nackte quer vor dem Holzstapel, sondern wir sehen z\u00fcchtig gekleidete und l\u00e4chelnde Frauen. Auch in diesem Punkt (Lachen) hat Ihr Gespr\u00e4chspartner recht.<\/p>\n<p>Liebe Frau Rest: Man kann die &#8222;Me Too&#8220;-Debatte auch hysterisch bis zum Exzess betreiben. Die meisten Frauen, die ich kenne, sch\u00e4tzen es, wenn man ihnen Komplimente wegen Ihres Aussehens macht. Ich sehe t\u00e4glich Dutzende von Frauen, die aus freien St\u00fcck und bewusst in kurzen R\u00fccken, tiefen Ausschnitten und mit langen Beinen herumlaufen. Ich gestehe: ich schaue diese Frauen gerne an (wahrscheinlich ist das anz\u00fcglich, ich sollte ein schlechtes Gewissen haben). Ich habe auch den Eindruck, viele Frauen sch\u00e4tzen es, wenn man sie aufgrund ihrer Attraktivit\u00e4t betrachtet (ohne gleich \u00fcber sie herzufallen).<\/p>\n<p>&#8222;Me Too&#8220; (eine Bewegung, die darauf zur\u00fcckgeht, dass Frauen nach 20 Jahren einf\u00e4llt, dass sie sexuell bel\u00e4stigt worden sind) hat etwas bewirkt: Im Berufsalltag betrachte ich Frauen mittlerweile nur noch als s\u00e4chliche Wesen. Jegliche Kommunikation mit dem weiblichen Geschlecht ist auf das Sachliche beschr\u00e4nkt. Man(n) will sich nichts, \u00fcberhaupt nichts, nachsagen lassen. Zudem muss man(n) heutzutage mit jeder Formulierung vorsichtig sein, das geben schon die Ethik-Kodizes der Unternehmen vor. Will man frei und von der Leber weg reden, sollte man mit M\u00e4nnern reden! Gl\u00fcckwunsch zu dieser politisch korrekten Entwicklung.<\/p>\n<p>\u00dcbrigens: W\u00fcrde ich mich aufregen, wenn ein nackter Mann auf dem von Ihnen gezeigten Plakat zu sehen w\u00e4re? Es w\u00e4re mir egal. Und: Gehen Sie mal in das Cafe Winklst\u00fcberl am Fu\u00dfe des Breitensteins: Wenn sie dort Kaffee und Kuchen bestellen, blicken sie als Mann ungefragt und zwangsweise tief auf den hochgezurrten und weitgehend offenen Busen von Mittf\u00fcnfziger-Frauen. Darauf w\u00fcrde ich dann doch gerne verzichten.<\/p>\n<p>Mit freundlichen Gr\u00fc\u00dfen<\/p>\n<p>Thorsten Sch\u00fcller<\/p>\n<p><strong>Nachtrag:\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Bei l\u00e4ngerem Nachdenken \u00fcber den Beitrag von Frau Rest wird immer klarer, was im Kern hier nicht stimmt: Es ist die journalistische Form, aus der die Autorin hinaus f\u00e4llt. Jegliche Objektivit\u00e4t wird hier von ihr fallen gelassen. Sie \u00fcberf\u00e4llt ihren Interviewpartner mit einer vorgefertigten Meinung, zwingt ihn in die Ecke und geht auf seine Ausf\u00fchrungen nicht ein.\u00a0 Vielmehr versucht sie krampfhaft, ihn mit ihrer Meinung des Bildes ein schlechtes Gewissen einzureden. Fast k\u00f6nnte man den Eindruck haben, sie arbeitet ein pers\u00f6nliches Erlebnis auf.<\/p>\n<p>Und noch eines: Frau Rest benutzt den Begriff &#8222;Me Too&#8220;. Sie tut es verzerrt. Denn &#8222;Me Too&#8220; bezeichnet im Kern den sexualisierten Machtmissbrauch von M\u00e4nnern gegen\u00fcber Frauen.\u00a0 &#8222;Me Too&#8220; meint nicht allt\u00e4glichen Sexismus.<\/p>\n<h2><\/h2>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die S\u00fcddeutsche Zeitung ver\u00f6ffentlichte in ihrer Ausgabe vom 15.\/16. 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