Die Depression der Anleger – und warum sie falsch liegen

Die Aktienkurse fallen und fallen. Manche Papiere bröckeln vor sich hin, andere stürzen, wiederum andere sind bereits in ein tiefes Loch gefallen. Der Wert von Kryptowährungen ist ebenfalls im freien Fall. Angst hat sich in den vergangenen Tagen und Wochen an den Finanzmärkten breit gemacht, teilweise liegt gar ein Hauch von Panik über den Portfolios.

Zinserhöhungen und Kriegsangst

Die Gründe sind schnell genannt: Zinserhöhungen der US-Notenbank Fed auf der einen Seite: „Die Märkte zittern vor der Fed“ ist zu lesen. Und auf der anderen Seite die Furcht vor einem Angriff Russlands auf die Ukraine. Letzteres hätte in der Tat gravierende und nicht absehbare Folgen – auch für die Finanzmärkte. Sollte Vladimir Putin diesen Schritt gehen und einen Krieg anzetteln, kracht es auch an den Börsen. Nur, wie wahrscheinlich ist ein solches Szenario wirklich? Wird Putin am Ende die ganz große Auseinandersetzung mit einem großen Teil der Weltgemeinschaft wagen, um seine Interessen durchzusetzen? Wahrscheinlicher ist, dass er die Muskeln spielen lässt, um seinen Interessen Nachdruck zu verleihen und es letztlich zu einer diplomatischen Lösung kommt.

Zu den Zinserhöhungen. Erwartet wird, dass die Fed die US-Leitzinsen dieses Jahr drei- oder viermal um jeweils 0,25 Prozentpunkte erhöht und damit am Jahresende bei einem absoluten Zinssatz von 0,75 beziehungsweise 1,0 Prozent rauskommt. Das europäische Pendant EZB will zwar (noch) nicht an der Zinsschraube drehen, die Finanzwelt in Europa wird sich aber dem von den USA ausgehenden Sog wie auch der nach wie vor satten Inflation nicht völlig entziehen können.

Beim Leitzins zurück zur Normalität

Man reibt sich verwundert die Augen angesichts der irrational wirkenden Reaktion der Finanzmärkte. Sicher bedeuten Zinserhöhungen, dass wir uns von einer langen Phase der Niedrig- und Nullzinspolitik verabschieden müssen. Andererseits wäre ein Leitzins von 1,0 Prozent kein Beinbruch und längst auch keine Katastrophe, sondern lediglich die Rückkehr zu einer Art finanzmarktpolitischem Realismus. Betrachtet man sich die US-Leitzinsen über einen langen Zeitraum, sind Werte von 2 bis 3 Prozent der Normalzustand, während der aktuell niedrige Satz nahe Null die Ausnahme darstellt. So lagen die US-Leitzinsen im Jahr 2000 teilweise bei 6,0 Prozent. In den Folgejahren pendelten sie vielfach um Werte zwischen 2,0 und 4,0 Prozent mit Ausreißern nach oben und unten. Erst nach der Finanzkrise 2008 hatten sie eine Null vor dem Komma stehen, aber auch das nicht auf Dauer – 2018 lag der Wert schon wieder bei über 2,0 Prozent.

Ähnlich in der Eurozone: Über lange Zeit lag der Leitzins in den vergangenen beiden Dekaden bei oder deutlich über 2,0 Prozent.

Irrationales Handeln

Die Finanzmärkte beziehungsweise deren Akteure handeln also völlig irrational, wenn sie nun das Bild eines bösen Zinsgespenstes zeichnen, das Anlagen in Aktien unattraktiv machen und unsere Wirtschaft abschnüren werde. Die anstehenden Leitzinserhöhungen in den USA sind nicht nur die langsame Rückkehr zur Normalität; diese Maßnahmen kommen außerdem gut vorbereitet, weil lange angekündigt. Kein Finanzmarktteilnehmer muss ich überrumpelt fühlen.

Im Übrigen läuft die Wirtschaft jenseits und diesseits des Atlantik gut. Der Internationale Währungsfonds rechnet damit, dass sich die weltweite Wirtschaftsleistung 2022 um 4,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr erhöhen wird. In den USA soll es um 5,2 Prozent nach oben gehen, in Deutschland um 4,6 Prozent. Zudem dürfte die Coronapandemie nach Einschätzung zahlreicher Experten dieses Jahr unter Kontrolle gebracht werden. Und die Inflationsraten sollten deutlich geringer als bisher ausfallen, da der coronabedingte Basiseffekt des Vorjahres wegfallen wird.

Liebe Investoren, Aktienverkäufer, Analysten und Wirtschaftsprognostiker – auch wenn Ihr derzeit tief im Moll versunken seid, weil ihr Euch von Eurer Depression leiten lasst: die Lage ist besser als Eure Stimmung. Ihr übertreibt mal wieder. Eurer Wehklagen ob der angeblichen Zinsgefahr ist schlichtweg fehl am Platze.

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Deutsche Telekom-Aktie: Wenn Sie Geld zu verschenken haben

Telekom-Aktie seit Börsengang 1997 – Quelle: finanzen.net

Dieser Langfrist-Chart der Deutschen Telekom sagt alles: Wenn Sie Geld zu verschenken haben, wenn Sie keine Rendite wollen, wenn Sie Ihr Geld einfach nur rumliegen lassen wollen, dann müssen Sie sich diese Aktie ins Depot legen. Gut, es gibt etwas Dividende. Die wird aber durch die An- und Verkaufsgebühren, durch die Depotgebühren und gegebenenfalls vom Finanzamt wieder mächtig angeknabbert.

Ansonsten ist es faszinierend zu sehen, wie schlecht sich ein Unternehmen über so lange Zeit auf dem Finanzmarkt zu verkaufen vermag. Offensichtlich haben es die verschiedenen Manager der Firma in den vergangenen mehr als zwei Jahrzehnten nicht geschafft, das Interesse der Investoren für die Deutsche Telekom zu wecken und Fantasie für die künftige Entwicklung zu wecken. Denn auf Fantasie reagiert die Börse in der Regel sehr sensibel. Die hatte einst der ehemalige DDR-Schauspieler entfacht, als er mit seinem Kopf für den ersten Börsengang der Telekom im Jahr 1997 warb. Es war die Zeit des großen Aufbruchs. Staatsunternehmen wie die Deutsche Post und die Bahn wurden teilweise oder ganz privatisiert, die einst hermetisch abgeschlossenen Märkte geöffnet.

Herr Krug spielte den netten Onkel von nebenan, der uns suggerierte, dass der Kauf von T-Aktien eine tolle Sache sei, bei der man eigentlich nur gewinnen könne. Nun ja, im linken Teil des Charts ist zu sehen, wie das endete.

Herr Krug bezeichnete seine Teilnahme an den Werbespots übrigens später als seinen „größten beruflichen Fehler“. Gegenüber dem Magazin Stern erklärte er im Januar 2007: „Ich entschuldige mich aus tiefstem Herzen bei allen Mitmenschen, die eine von mir empfohlene Aktie gekauft haben und enttäuscht worden sind.“

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Finanzberatung für Frauen – Spalterinnen der Gesellschaft

„Her Money – Finanzfitness für Frauen” oder „Madame Moneypenny“, nennen sich zwei von mehreren Online-Ratgebern, die lediglich eine Hälfte der Bevölkerung, nämlich die weibliche, ansprechen. Männer haben auf diesen Seiten nichts zu suchen. Die Begründung für diese Segregation wird gleich mitgeliefert: „In Finanzfragen haben sich Frauen noch längst nicht emanzipiert.“ Aha. Zusätzlich packen die Verantwortlichen der Seiten Argumente aus der emanzipatorischen Mottenkiste aus: Frauen verdienen weniger und Frauen arbeiten kürzer, deshalb haben sie weniger Geld als Männer zur Verfügung. Ein Blick in die reale Unternehmenswelt würden der Her Money-Redaktion und Gründerin Anne E. Connelly zeigen, dass sie diesbezüglich im Vorgestern zuhause sind und die Erde sich weiter gedreht hat. Oder unterscheidet der ÖTV-Tarif etwa zwischen Frauen und Männern? Stuft die HR-Abteilung von Siemens Frauen für die gleiche Tätigkeit niedriger ein als Männer? Werden Lehrerinnen schlechter bezahlt als ihre männlichen Kollegen? Geschäftemacherinnen wie bei Her Money erzählen ganz oft einfach nur Blödsinn.

Madame Moneypennys Drohkulisse

Frau Moneypenny wiederum lässt uns wissen, dass sich viele Frauen „in finanzieller Abhängigkeit vom Partner“ befinden – „das ist gefährlich“! Klar, man muss erstmal eine Drohkulisse aufbauen, so unzutreffend sie auch sein mag, um darauf die Berechtigung für das eigene Tun zu begründen. Von ehelichem Zugewinn, der im Fall einer Scheidung 50:50 aufgeteilt wird und vom Ausgleich erworbener Rentenpunkte zwischen Mann und Frau hat Miss Moneypenny Natascha Wegelin offenbar noch nichts gehört – oder lässt es bewusst unter den Tisch fallen, um ihre eigene Argumentation nicht zu gefährden. Immerhin geht es ja um „femaleempowerment“ – als ob es keine Lagardes, Merkels, Baerbocks, Garijos (Merck KGaA) oder Jäkels (Gruner + Jahr) gäbe.

Beim Lesen der Seiten erfährt man außerdem, dass Frauen länger leben. Wie schön – Vorteil Frauen. Nein, ist es doch nicht, denn damit brauchen Frauen länger Geld als Männer. Vor allem aber: Frauen kümmern sich zu wenig um Geldthemen. Ergo muss man diese Themen den Frauen näher bringen – Männer haben das ganz offensichtlich nicht so nötig, denn jeder Mann hat ein gut gefülltes Konto und schaut jeden Tag mindestens dreimal in sein üppiges Wertpapierdepot mit den steil nach oben ziehenden Kurven.

Auf den Frauenseiten geht es um Altersvorsorge und Versicherungen, um Investitionen in Aktien, ETFs, Gold und Immobilien, oder um „Geld in der Familie“. Die Berater, die kontaktiert werden können, sind bei Her Money konsequenterweise allesamt Beraterinnen, also offenbar weiblichen Geschlechts (wie war das nochmal mit der Jobverteilung in unserer Gesellschaft?).

Gibt es weibliche ETFs?

Man könnte sich nun fragen, worin der Unterschied liegt, wenn eine Frau statt eines Mannes einen ETF, einen Fonds, Gold oder eine Immobilie kauft? Gibt es weibliche ETFs? Gibt es Finanzprodukte, die nichts für Männer sind? Und gibt es einen Unterschied in der Art, wie Frauen diese Produkte kaufen? Handeln sie etwa nicht online mit Hilfe eines digitalen Bankdepots? Gibt es da ein weibliches Geheimnis, von dem der Rest der Welt nichts weiß und das Männer nichts angeht? Gibt es Informationen zu bestimmten Finanzprodukten, die nur Frauen verstehen, nicht aber Männer? Und sind Fragen wie „Wie steht es um meine Finanzen?“ und „Wie ist meine Einstellung zu Geld und wie ändere ich sie?“ so komplex, dass nur Frauen etwas damit anfangen können?

Der gedankliche Ansatz von Her Money, Madame Moneypenny, Frag Fina, Finanzfachfrauen und wie die weiblichen Beratungswebseiten sonst so heißen, ist nicht nur das Ergebnis pseudofeministischer Schrägdenkerinnen, sondern hat auch stark rassistischen und gesellschaftlich spaltenden Charakter: Männer sind nicht gewünscht, werden draußen gehalten. Mit 50 Prozent der Gesellschaft wollen diese Innen nichts zu tun haben. Das ist mal ein richtig konstruktiver Beitrag für unser soziales Miteinander, beinahe wie der Spaziergang einiger Impfverweigerer.

Männer als Bedrohung

Als Mann sollte man sich besser hüten, solchen Frauen abends alleine auf der Straße zu begegnen. Wahrscheinlich wittern sie in jedem Menschen mit Penis eine akute Bedrohung und stellen entweder auf Attacke um oder erstatten Anzeige. Manchmal erstatten solche Frauen ja auch erst nach Jahren Anzeige, weil ihnen verspätet einfällt, dass sie mal belästigt worden sein könnten. Im Übrigen möchte man sich nicht wirklich mit der Frage beschäftigen, wie der männerfeindliche Alltag neben diesen Gewächsen aussehen muss.

Schön wäre, wenn die Her-Money-Macherinnen wenigstens korrektes Deutsch könnten. Die Überschrift „Was du wissen solltest, wenn du ein Finanzprodukt erwerbst“, lässt jedenfalls nicht nur an den sprachlichen Fähigkeiten der Frauen zweifeln, sondern zeigt zudem, dass diese vermeintlichen Finanzberaterinnen mit ziemlich kaltem Wasser kochen: Große Klappe, nichts dahinter.

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Belästigung bei der Deutschen Bank: 95 Prozent Luft

Nun soll es auch bei der Deutschen Bank einen Me-Too-Fall geben, also sexuell unkorrektes Verhalten von Männern gegenüber Frauen. Wobei, konkret handelt es sich um eine Frau, die angeblich diesen Vorwurf erhebt. „I want you“ titelt die Süddeutsche Zeitung (SZ) im Dezember 2021 und widmet sich der Angelegenheit über rund 10.000 Zeichen auf fast einer ganzen Zeitungsseite.

Damit hat die Redaktion dem Thema eine Menge Platz eingeräumt. Vermutlich setzte dort angesichts der Story, deren journalistisches Ausgrabungsergebnis sich die SZ selbst zurechnet (Zitat: „nach Informationen der Süddeutschen Zeitung“) Schnappatmung ein. Sexuelle Übergriffe sind immer ein Thema, ein hoch sensibles zumal, vor allem in diesen Zeiten, in denen Regisseure, Filmemacher, Manager und sonstige Männer (also eigentlich alle) Frauen üblicherweise in unziemlicher Weise nachstellen.

Konjunktive und Annahmen

Vielleicht hätten die SZ-Redakteure und namentlich die Autorin Meike Schreiber nochmal durchatmen sollen, ehe sie sich auf das glatte Feld der Verdachtsberichterstattung begeben. Denn der Text trieft vor Konjunktiven und unbewiesenen Annahmen, auch wenn die Schreiberin krampfhaft glauben machen möchte, dass die Me-Too-Vorwürfe einer früheren Mitarbeiterin die Bank „erschüttern“ würden. Da ist zu lesen, dass das Arbeitsklima bei der Bank „möglicherweise“ ein anderes ist als diese in ihrem Marketing vorgibt. Man liest von „mutmaßlichen Fällen“ und erfährt, dass staatsanwaltliche Ermittlungen gegen einen von zwei Managern eingestellt worden seien. Aha, laut Staatsanwaltschaft war da offenbar nichts dran. Beide Männer würden die Vorwürfe zudem zurückweisen.

Schließlich kommt auch Frau Schreiber nicht umhin zuzugestehen, dass es hier „wie in ähnlichen Fällen schwierig“ sei, „ein Gesamtbild zu liefern“. Wieso dann 10.000 Zeichen, fragt man sich, zumal die fragliche Deutsche-Bank-Frau, so erfährt man ebenfalls, ein Verhältnis mit einem der beiden Manager hatte und einen Chat mit dem anderen Manager führte, der „ins Sexuelle“ drehte – „offenbar nicht ganz ohne ihr Mitwirken“, so die SZ.

Bemerkenswert ist auch, dass die Frau, damals immerhin Ende 20 und gut ausgebildet (also wohl kein naives Küken), das Unternehmen aus Gründen, die nichts mit den angeblichen Übergriffen zu tun hatten, verlassen musste. Dagegen klagte sie. Sie wollte mindestens 100.000 Euro Schadenersatz. Irgendwann fiel ihr dann offenbar ein, auch noch das Argument der sexuellen Belästigung in diese Angelegenheit einzubringen.

Hypersensibilität mit Beißreflex

Wir wollen hier gar nicht unterstellen, dass in diesem Fall eine Frau aufgrund ihres Raufwurfs das Maximum für sich herausholen und sich darüber hinaus rächen wollte, indem sie unfeine Argumente hervorholte. Man könnte allerdings den Eindruck gewinnen, dass auf Seiten der Redaktion eine Hypersensibilität mit Beißreflex vorherrscht, die den Blick angesichts der mauen Faktenlage erheblich trübt. Frau Schreibers mühsam gestricktes Belästigungsepos schrammt jedenfalls nah an der Fahrlässigkeit vorbei. Bereits die Überschrift „I want you“ führt bewusst in die Irre – der Leser denkt hier an Sexuelles, so wie von der Redaktion gewollt. Tatsächlich, erfährt man im Text, bezieht sich dieses Zitat auf einen der beiden Manager, der eine berufliche Position mit der Frau besetzen wollte.

Me-Too scheint es auch in den Köpfen einiger Schreiber zu geben, die wie in diesem Fall ein Thema derart aufblasen, dass es am Ende 95 Prozent Luft enthält. Der Leser lernt dabei: So sieht Qualitätsjournalismus aus.

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Drei politische Quick Wins für unsere Umwelt – und für uns

Teil 3: Volksbegehren für ein Tempolimit

Gut, die neue Regierung hat entschieden, dass es kein generelles Tempolimit auf deutschen Autobahnen geben soll. Zumindest steht dieses Ziel nicht im Koalitionsvertrag. Auf gut 70 Prozent der gut 25.000 deutschen Autobahnkilometern kann damit weiterhin das Gaspedal weit durchgedrückt werden. Schade, denn es wäre die Möglichkeit für einen weiteren Quick Win der Scholz-Regierung gewesen: Ein Tempolimit von 130 oder gar 120 Stundenkilometern hätte schnell entschieden und umgesetzt werden können. Die Maßnahme hätte niemandem wirklich weh getan, denn auch bei dieser Geschwindigkeit ist ein flottes und flüssiges Reisen gut möglich. Die Autofahrer müssten dabei nicht einmal den Fuß vom Gaspedal nehmen – sie bräuchten ihn lediglich nicht mehr ganz so weit durchdrücken.

1,9 Millionen Tonnen ist nicht viel?

Die Maßnahme hätte eine sofortige positive Wirkung für unsere Umwelt, denn sie trägt unmittelbar und spürbar zur Reduzierung des Schadstoffausstoßes bei. Nach Untersuchungen des Umweltbundesamtes würde eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 130 Stundenkilometer den jährlichen Ausstoß an schädlichen Treibhausgasen (CO2) um 1,9 Millionen Tonnen senken. Manche, wie der ehemalige CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet, sagen zwar, das sei nur ein kleiner Effekt; doch zum einen sind 1,9 Millionen für sich genommen eine durchaus beachtliche Zahl; zum anderen erreicht man sein Ziel bekanntermaßen nur, wenn man viele einzelne Schritte aneinandersetzt.

Eine Entscheidung für eine Geschwindigkeitsobergrenze wäre darüber hinaus schonend für den Geldbeutel der Autofahrer gewesen, da der Benzinverbrauch der Schnellfahrer sinkt und damit deren Ausgaben für Kraftstoff. Schließlich wäre entgegen aller Meinungen von Tempolimit-Gegnern eine weitere Reduzierung der Unfälle möglich, da harmonische Geschwindigkeiten ohne Tempoausreissern nach oben die Gefahren plötzlicher Kollisionen deutlich verringern. Wie all dies entspannt gelingen kann, zeigt sich in Österreich auf der Inntalautobahn zwischen Kufstein und Innsbruck: Hier gilt durchgehend Tempo 100. Beinahe alle halten sich daran, da jedem bewusst ist, dass andernfalls ein drastisches Bußgeld droht. Es ist ein allgemeines Gleiten, ohne Hetze, ohne Stress, ohne nervöses Drängeln. Gut nicht nur für Umwelt und Geldbeutel, sondern auch für die Seele.   

Aber gut, Herr Lindner und seine FDP wollten all dies nicht. Für sie stehen die Interessen der Autoindustrie und Autofahrer offensichtlich über denen der Umwelt. Offenbar bedeutet Freiheit für diese Leute auch Freiheit zum Rasen. Gleiches gilt für die Präsidentin des Bundesverbandes der deutschen Automobilindustrie, Hildegard Müller, die kürzlich in einem Interview mit der FAZ behauptete, ein Tempolimit sei ein „völlig überhöhtes Symbol“. Dass sie so etwas sagt, ist nicht verwunderlich, immerhin vertritt sie die Interessen ihrer Klientel. 1,9 Millionen Tonnen CO2, die sich über uns und unser Land ausbreiten, sind auch für sie offensichtlich eine kleine Zahl.

Zeit für ein Volksbegehren

Nun, da die Politik sich nach wie vor und wieder einmal scheut, diesen Quick Win einzufahren, wäre es an der Zeit des Volkes, ihn einzufordern. Es hätte das Mittel des Volksbegehrens und gegebenenfalls in der Folge des Volksentscheides, diesen Schritt gegen den Willen der neuen Regierung, aber mit dem Willen einer Mehrheit der Bürger, durchzusetzen. Nach verschiedenen Untersuchungen sprechen sich teils über 70 Prozent der Bürger dafür aus. Selbst nach einer Umfrage des Autofahrerverbandes ADAC sind gut 50 Prozent der Bevölkerung für eine Geschwindigkeitsobergrenze. 

Ein Tempolimit von 130 auf deutschen Autobahnen passt jetzt so gut in die Zeit wie nie zuvor. Alle reden davon, unser Klima zu retten. Und wir nehmen uns nach wie vor die Freiheit, ungehemmt zu rasen. Ganz nach dem Motto: Mag die Welt auch untergehen, aber mit Tempo.   

Dass ein Volksbegehren in derart grundlegenden Fragen funktionieren kann, zeigte einst die Durchsetzung des Rauchverbots in Gaststätten und öffentlichen Räumen. Warum nicht also auch diesen Schritt in Sachen Tempolimit gehen, um unserer Umwelt und damit uns allen ganz schnell ein bisschen mehr Luft zu verschaffen. Wenn die Politik es nicht will, dann eben das Volk.

P.S.: Wie schnell darf man eigentlich bei unseren Nachbarn maximal fahren? Italien 130km/h, Frankreich 130 km/h, Schweiz 120 km/h, Belgien 120 km/h, Niederlande 100 km/h…

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Drei politische Quick Wins für unsere Umwelt – und für uns

Teil 2: Besteuert das Flugbenzin

Während der erste Quick Win darin besteht, etwas billiger zu machen, nämlich das Bahnfahren, geht es im zweiten politischen Quick Win der neuen Regierung darum, im Sinne unserer Umwelt etwas teurer zu machen – das Fliegen. Es ist eine alte, aber bislang weitgehend ungehörte Forderung, endlich auch das Flugbenzin zu besteuern. Tatsächlich versteht kaum jemand, wieso auf Benzin und Diesel für unsere Autos erhebliche Steuern lasten, auf dem Flugbenzin aber keine; wieso ein Flug von München nach Berlin oder von Frankfurt nach Rom teilweise billiger zu haben ist als eine Fahrt mit der Bahn.

Quelle: Pixabay

Fliegen ist viel zu billig. Die Kluft zwischen dem, was wir zahlen und dem, was diese Art des Reisens tatsächlich kosten müsste, ist riesig. Wie kann es sein, dass die Reise mit einer Maschine, die 75 und mehr Tonnen wiegt, auf elf Kilometer Höhe hinaufkatapultiert werden muss, mit 800 Stundenkilometern dahingleitet und uns 2000 Kilometer weit bringt für den Preis eines gehobenen Restaurantbesuchs zu haben ist?

Für 70 Euro in den Overtourismus

Natürlich nehmen wir diese Angebote gerne wahr und lassen uns für 70 Euro in zwei Stunden nach Barcelona jetten. Nur, es ist ein umweltpolitischer Luxus, den wir uns in Zeiten, in denen das Klima dieser Welt zu kippen droht, schlichtweg nicht mehr leisten können. Und seien wir ehrlich: Der Erholungsfaktor einer erdgebundenen Reise nach Regensburg oder Schwerin, der Erholungsfaktor eines Ausfluges in den Wester- oder Bayerischen Wald ist mindestens ebenso hoch, wie in Overtourismus-Destinationen mit tausenden gleichgesinnten Billigurlaubern durch Innenstadtgassen zu strömen.

Die steuerliche Bevorzugung von Flugbenzin ist vor Jahrzehnten eingeführt worden, um die weltweite Luftfahrt zu fördern. Es scheint, als sei es schwierig bis gar unmöglich, dieses einmal gegebene Steuergeschenk wieder einzukassieren. So klagen Airlinemanager, dass die Steuerung einer Fluggesellschaft bereits mit Subventionen ein beinhartes Geschäft sei, in dem die Belegung weniger Sitze mehr oder weniger darüber entscheidet, ob das Unternehmen in den roten oder schwarzen Zahlen fliegt.

Service war mal

Entsprechend wird an der Kostenschraube gedreht, entsprechend ist der einstige Reiz, gar die Exklusivität des Fliegens längst dahin. Fliegen ist wie Busfahren: Zusammengepfercht wie in einer engen Dose müssen die Passagiere ein, zwei oder mehr Stunden weitgehend regungslos auf unbequemen Sitzen ausharren, ehe sie das Gefängnis wieder verlassen dürfen. Service war mal. Wer ein Ticket kauft, erwirbt die reine Transportleistung. Bei Tui Fly beispielsweise kostet alles extra – der Wunsch-Sitzplatz, das Gepäck, selbst der Kaffee. Auf die Frage nach einer Zeitung lacht die Kabinenbedienung kurz auf, als hätte man eine unverschämte Frage gestellt.

Immerhin hat die EU nun die Absicht geäußert, einen Mindeststeuersatz für Flugkraftstoffe durchsetzen und damit nach jahrelanger Diskussion die Steuerfreiheit für Kerosin abschaffen zu wollen. Dieser Schritt würde mehr freien Markt in eine gepamperte Branche bringen. Und er würde mehr Chancengleichheit der verschiedenen Verkehrsträger erzeugen. Ob dieser Plan der EU allerdings Realität wird, ist noch nicht ausgemacht.

Bis dahin könnte sich die neue deutsche Regierung gemäß ihrem Anspruch fortschrittlich zeigen und von sich aus aktiv werden. Sicher würde der Einwand kommen, dass Deutschland als einzelnes Land es sich nicht erlauben könne, einseitig Steuern auf Kerosin zu erheben. Doch, das können wir. Der deutsche Markt ist für Fluggesellschaften viel zu wichtig, als dass sie wegen Benzinsteuern in einem Bogen darum herum fliegen würden. Zugleich würde die neue Regierung deutliche Zeichen für andere Nationen setzen.

Fokus auf die wirklich wichtigen Reisen

Sicher, die Effekte wären für uns alle etwas schmerzlich. Den Billigflug nach irgendwo gäbe es dann in der bisherigen Form nicht mehr. Das wiederum würde uns zwingen, zu entscheiden, welche Reisen uns wirklich wichtig sind, statt zu sagen: Ach, fliegen wir mal übers Wochenende nach Kopenhagen, das kostet ohnehin fast nichts.

Vor allem aber die Umwelt würde es uns danken. Wenngleich manche Leute immer wieder sagen, dass der Anteil des Luftverkehrs am gesamten CO2-Aufkommen gar nicht so hoch sei, so ist er doch ein Element in dieser Kette. Es würde gut ins Konzept der Klimaregierung passen, den schädlichen Einfluss dieses Elementes zu reduzieren. Es könnte schnell geschehen. Und wenn die Flugzeughersteller unter diesem Druck eines Tages mit dem emissionsfreien Antrieb auf den Markt kommen, können wir vielleicht auch wieder sorgenfrei einen Kurztrip nach Malle machen.

Teil 3 erscheint am 14. Dezember 2021

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Drei politische Quick Wins für unsere Umwelt – und für uns

Teil 1: Macht das Bahnfahren billiger

„Mehr Fortschritt wagen“, mit diesem Slogan haben die Ampel-Koalitionäre ihre neue Regierung gebildet. Die Erwartungen sind hoch, dass dieser Fortschritt rasch und entschieden kommt. Die Chancen dafür stehen gerade jetzt, zu Beginn der neuen Allianz, gut, dass Olaf Scholz und seine Mitstreiter deutliche Fußabdrücke setzen. Und die Grünen werden wahrscheinlich, zumindest hoffentlich, dafür sorgen, dass diese Spuren auf neudeutsch gesprochen nachhaltig sind – was so viel meint wie gut zur Natur.

Quelle: Michael Ottersbach – Pixelio

Um rasch Zeichen hinter ihre hehren klimapolitischen Ansprüche zu setzen, hätte die neue Regierung nun die Möglichkeit, einige Quick Wins umzusetzen und einzufahren. Was bedeutet, schnell Maßnahmen umzusetzen, die klar sichtbar sind und einen unmittelbaren positiven Effekt auf unsere Umwelt haben.

Einer dieser Quick Wins betrifft den öffentlichen Personennahverkehr, also Bus, Straßenbahn, U- und S-Bahn sowie im Besonderen die Bahn. Die hat zwei grundlegende Probleme: Sie leistet sich noch immer zu viele Verspätungen, Pannen und Ausfälle. Und sie ist schlichtweg zu teuer. Wer abends um 21 Uhr auf einem Provinzbahnhof per Durchsage zu hören bekommt, dass er seinen Anschluss leider nicht erreicht und daher eine Stunde länger auf den Folgezug warten muss, ist trotz positiver Grundeinstellung zur Bahn nicht begeistert. Wer zudem für eine Fahrt über 270 Kilometer im Normalbetrieb laut Fahrplan mit Umsteigen viereinhalb Stunden benötigt und dafür 65 Euro bezahlt, stellt sich im Vergleich zum Auto schnell die Sinnfrage: Das schafft die Strecke in rund drei Stunden, die Benzinkosten liegen je nach Verbrauch etwa bei der Hälfte des Bahnpreises. Nun wären viele ja bereit, mit Bahn und ÖPNV etwas längere Reisezeiten als mit dem Punkt-zu-Punkt-Verkehrsmittel Auto zu akzeptieren. Nur: Dann muss wenigstens der Preis attraktiv sein. Ist er aber nicht.

Wie hier ein mutiger Schritt aussehen kann, um die Bahn und den gesamten ÖPNV in Deutschland attraktiver zu machen, hat jüngst Österreich vorgemacht. Für 1095 Euro können die Bürger dort ein Klimaticket erwerben, dass ihnen erlaubt, ein Jahr lang mit Bussen und Bahnen durch das Land zu fahren.

Warum nicht auch hierzulande? Warum nicht nach diesem Beispiel auch in Deutschland preislich lukrative ÖPNV-Jahrestickets einführen? 1500 Euro für 365 Tage freie Fahrt in allen deutschen öffentlichen Verkehrsmitteln wäre eine Ansage. Damit würden Bahn und Bus schlagartig an Attraktivität gewinnen. Tausende, wenn nicht hunderttausende oder Millionen würden bei solch einem Preis ihr Auto stehen lassen und auf die öffentlichen Verkehrsmittel umsteigen. Natürlich käme sofort das Argument, dass solch ein Schritt nicht finanzierbar wäre. Doch worum geht es hier? Um die Rettung unseres Klimas! Und damit letztlich um die Rettung unserer Welt, unserer Lebensgrundlage. Wir werden hunderte von Milliarden Euro und Dollar in die Bekämpfung der Folgeschäden der Klimaerwärmung investieren. Da macht es doch Sinn, jährlich mit ein paar Milliarden den Umstieg auf umweltfreundlichere Verkehrsmittel finanziell zu unterstützen – und zwar jetzt. Sofort. Der Effekt auf den Straßen und für unsere Luft wäre jedenfalls unmittelbar spür- und messbar. Und die neue Regierung könnte sich den Lorbeer eines Quick-Wins ans Revers heften.

Teil 2 erscheint am 11. Dezember 2021

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Vierte Welle im Wahl-Vakuum

Die deutsche Politik zeigt sich im aktuellen Covid 19-Pandemieausbruch im November 2021 erstaunlich entscheidungs- und handlungsschwach. Die Fallzahlen schnellen nach oben, die Intensivbetten sind bis an den Rand belegt, das ärztliche und Pflegepersonal ist an seiner Belastungsgrenze oder bereits darüber hinaus – doch die Politik agiert bemerkenswert langsam und halbherzig.

Das ist zu einem wesentlichen Teil der Bundestagswahl und dem damit verbundenen Regierungswechsel zu verdanken. Die bisherige und noch geschäftsführende Regierung mag und soll keine weitreichenden Entscheidungen mehr treffen. Offenbar sind die handelnden Akteure von den neuen Koalitionären sogar gebeten worden, sich zurückzuhalten.

Auf der anderen Seite ist die neue Regierung noch nicht im Amt und damit offiziell nicht in der Position, weitreichende Entscheidungen zu treffen. Die Pandemie hat sich für ihre vierte Welle also einen geschickten Zeitpunkt ausgesucht – das politische Vakuum im deutschen Herbst 2021.

Doch das ist es nicht allein. Bei genauem Hinsehen zeigen sich weitere Konstruktionsschwächen unseres politischen und gesellschaftlichen Systems:

Schwache und langsame Entscheidungen: In Deutschland herrscht die Grundhaltung vor, dass vergleichsweise wenig in die persönlichen Rechte und Freiheiten des Einzelnen eingegriffen werden soll. Das ist grundsätzlich positiv, sympathisch und zu begrüßen. Das Individuum hat weitreichende Freiheiten und Entscheidungsmöglichkeiten. Im Fall einer nationalen Notlage wie derzeit offenbaren sich aber auch die Schwächen dieses Systems. Wo eigentlich schneller und strikter gesamtgesellschaftlich durchgegriffen werden müsste, um möglichst rasch wieder den Normalzustand (und damit unsere Freiheiten) zurückzugewinnen, zögert, zaudert und debattiert die Politik. Straff geführte Systeme zeigen in solchen Situationen deutlich mehr Effizienz. Das soll kein Plädoyer dafür sein, dass wir nun die chinesische Art der Staats- und Regierungsführung übernehmen. Wir könnten beziehungsweise sollten aber erwägen, in Zeiten von Notlagen auf straffere und schnellere Entscheidungen umzustellen.

Grenzen des Föderalismus: Passend zu oben genanntem Aspekt erweist sich die Entscheidungshoheit auf Länderebene in Zeiten von Notlagen als suboptimal. Alle (Politiker) reden durcheinander und überbieten sich mit täglich neuen Vorschlägen und Ankündigungen. Was aber fehlt, sind effektive und schnelle Entscheidungen, basierend auf den Empfehlungen von Fachleuten, die der Gesamtheit, ganz Deutschland, nützen.

Beendigung der epidemischen Lage von nationaler Tragweite: Es ist nicht nachvollziehbar, dass in dieser Situation die epidemische Lage zum 25. November 2021 aufgehoben werden soll. In Zeiten, in denen die Zahl der Infizierten so hoch wie nie ist und die Intensivbetten nahezu komplett belegt sind, signalisiert die Politik, dass die Epidemie beziehungsweise Pandemie vorüber sein soll. Wer soll das verstehen?

Krankenhausampel ist das falsche Instrument: Die Krankenhausampel ist aktuell das Messinstrument zur Beurteilung der Covid-19-Pandemie und zur Aktivierung von Maßnahmen. Dieses Instrument zeigt aber deutliche Schwächen: Die Ampel reagiert sehr spät – nämlich dann, wenn die Menschen bereits (schwer) an Covid-19 erkrankt sind. Oder anders gesagt: Die Ampel springt erst dann auf Rot, wenn das Kind bereits in den Brunnen gefallen ist. Sinnvoller wäre es, die Messfühler der Ampel deutlich weiter vorne im Coronaprozess zu installieren. Oder, um im Bilde zu bleiben: Wenn das Kind noch nicht in den Brunnen gefallen ist, sondern noch über dem Rand lehnt und hinabzufallen droht.

Die Bremser von der FDP: Die FDP verhindert in der neuen Regierung offenbar nicht nur das von einer Bevölkerungsmehrheit befürwortete Tempo 130 auf Autobahnen, sondern tendiert in der aktuellen Pandemie immer wieder dazu, eher weiche als harte Maßnahmen zu ergreifen. Teilweise versteigt sie sich hin zu kompletten Unsinn, wenn der FDP-Chef Christian Lindner erklärt, Kontaktbeschränkungen würden im Grunde nichts bringen. Wann bremst jemand diese Verharmloser und Runterspieler aus, die aus einer falsch verstandenen Haltung der persönlichen Freiheit heraus argumentieren? Denn die Freiheit des Einzelnen endet dort, wo diese die Freiheit der Allgemeinheit einschränkt.

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Danke an die Impfverweigerer

Deutschland im November 2021: Die Corona-Inzidenzen steigen exponentiell, die Intensivstationen unserer Krankenhäuser sind bis an den Rand belegt, Landesregierungen beschließen den teilweisen Lockdown, unser Leben ist erneut massiven Einschränkungen unterworfen: Weihnachtsmärkte müssen schließen (obwohl sie im Freien stattfinden und 2G-Regelungen getroffen haben), Schüler müssen wieder Maske tragen und werden in häusliche Quarantäne geschickt, Clubs schließen, Konzerte werden abgesagt, Reisen sind nicht oder nur erschwert möglich, Gewerbetreibende und Künstler stehen am Abgrund ihrer Existenz, Freunde treffen passt nicht in die Zeit, möglicherweise kommt demnächst a lá Austria sogar der komplette Lockdown für alle. Kurz: Freiheit und Freude adé. Das Leben ist so trist wie das Novembergrau.

An dieser Stelle ein ausdrücklicher Dank dafür an all die Impfverweigerer in Deutschland, an jene, die sich aus Überzeugung oder sonstigen nicht-medizinischen Gründen nicht impfen lassen.

Danke, dass Ihr uns diese Scheiße eingebrockt habt!

Danke, ihr Impfverweigerer, dass ihr die Mehrheit der geimpften Deutschen in Geiselhaft nehmt und ihnen, uns, ein Leben in Unfreiheit aufzwängt.

Ein paar Wahrheiten zu diesem Thema:

-Wir hätten diese Pandemie längst hinter uns lassen können. Das wir wieder mittendrin stecken, haben wir den Impfverweigerern zu verdanken.

-Impfgegner tragen offensichtlich ein verqueres Gedankengut mit sich herum. Fakten zur Wirksamkeit und Verträglichkeit von Covid 19-Impfstoffen wollen Sie nicht anerkennen.

-Impfgegner sind Egoisten: Sie stellen ihre eigenen Interessen über die des Gemeinwohls.

-Die Impfgegner sind verantwortlich für hunderte, wenn nicht tausende von Toten in diesem Land.

-Impfgegner verursachen einen enormen wirtschaftlichen Schaden, der in die Milliarden geht. Dafür zahlen alle Deutschen, vor allem die Geimpften!

-Wer in der gegenwärtigen Situation immer noch meint, er oder sie müsse sich nicht impfen lassen, dem ist nicht mehr zu helfen (oder auf gut bayerisch: er/sie ist ein Depp).

Wie sollten wir nun mit den Impfgegnern umgehen?

-Muss man in der gegenwärtigen Situation noch Verständnis für diese Leute haben? Nein, muss man nicht. Schluss mit Nachsicht für eine Minderheit mit ihren verqueren Gedanken und Überzeugungen. Schluss mit der Diktatur der Ungeimpften. Nun ist es Zeit, dass die Mehrheit der freiheitsliebenden Geimpften wieder den Kurs bestimmt.

-Eine Impfpflicht für alle ist nun nötig, denn es geht um uns alle und nicht nur um das Ego der Impfgegner. Eine Alternativ wäre ein konsequenter und anhaltender Lockdown für Ungeimpfte – eine anhaltende häusliche Isolation, eine Art Gefängnis zuhause.

-Erkranken Impfgegner an Covid 19 und benötigen eine Krankenhausbehandlung, sollten sie selber dafür zahlen.

-Kommt es zu einer Triage, also der Frage, wer behandelt wird und wer nicht, sollte das Bett des Impfgegners geräumt werden, um einem akuten Schlaganfallpatienten Platz zu machen. Stirbt der Impfgegner dabei, hat er unser begrenztes Bedauern. Immerhin geht er oder sie mit Überzeugung.

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Lasst die Ungeimpften zahlen

Quelle: Ewa Urban, Pixabay

So, die Intensivbetten der deutschen Krankenhäuser sind also wieder voll mit Coronapatienten. Das ist nicht nur bedauerlich, denn es wäre vermeidbar gewesen. Es ist auch teuer. Nach einer Auswertung des wissenschaftlichen Dienstes der AOK kostet die stationäre Behandlung eines Coronapatienten, der mit einer Ecmo-Maschine beamtet werden muss, im Schnitt 92.000 Euro. 34.200 Euro sind es bei künstlicher Beatmung ohne Ecmo, 5800 Euro für Patienten, die nicht beamtet werden müssen. Das Bundesgesundheitsministerium spricht auf Basis der Erfahrungen von 2020 von Kosten, die pro Patient zwischen 18.100 Euro und bis zu 145.000 Euro liegen.

Diese Zahlen zeigen: es geht nicht um Peanuts, sondern um gigantische Kosten, die unser Gesundheitssystem und damit sämtliche Versicherten schultern müssen.

Bemerkenswerterweise sind aktuell mehr als 90 Prozent der Intensivpatienten mit Covid-19 ungeimpft, so die Deutsche Krankenhausgesellschaft DKG. Es handelt sich also vielfach um Leute, die sich bewusst gegen eine Impfung ausgesprochen haben. Deren Gründe sind vielfältig: Ignoranz, Überheblichkeit, Leugnen, Dummheit oder gar Dämlichkeit.

Obwohl sich viele dieser Unbelehrbaren möglicherweise für unverwundbar gehalten haben, macht das Virus erstaunlicherweise keinen Bogen um diese Personen. Ihr Leben liegt jetzt in den Händen der Pfleger und hängt an den Schläuchen von Maschinen. Die Kosten, die sie damit verursachen, sind wie dargestellt immens.

Da könnte man schon fragen, warum diese Ignoranz auch noch staatlich subventioniert werden soll? Wer bewusst bei Rot über die Ampel fährt oder die Regeln des Kreisverkehrs missachtet, muss zahlen. Da wäre es doch nur gerecht, das gleiche Prinzip bei den röchelnden Impfverweigerern anzuwenden: wer bewusst Nein zum Piks gesagt hat, nun aber mit sauerstoffarmer Blaufärbung ins Krankenhaus eingeliefert wird, sollte nach seiner Genesung ebenfalls zur Kasse gebeten werden. Er oder Sie muss ja nicht unbedingt den vollen Betrag bezahlen, immerhin basiert unser Zusammenleben auf dem Solidarprinzip. 50 Prozent der Kosten wären auch eine deutliche Hausnummer für jene, die meinen, dass Solidarität nur von den anderen geleistet werden sollte. Es ist anzunehmen, dass solch eine Maßnahme eine gewisse Wirkung bei den Ignoranten und Uneinsichtigen zeigen würde.  

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