Verlierer-Aktien: Mehr Pfui als Hui mit TUI (Folge 2)

Die Deutschen und Briten reisen wie die Weltmeister und schippern in Massen auf schwimmenden Hotels über die Weltmeere, doch dem Touristikkonzern TUI gelingt das Kunstwerk, daraus keinen Profit zu schlagen – zumindest nicht für seine Aktionäre. Der Langfristchart des Unternehmens ist jedenfalls ein Faszinosum: seit 20 Jahren dümpelt die Aktie des Unternehmens mit Sitz in Berlin und Hannover in einer recht engen Zone mit Auf´s und Ab´s dahin, unter dem Strich hat das Papier dabei an Wert verloren statt zu gewinnen. Da fragt man sich: Warum gelingt es dem Management nicht, die Lust der Anleger für ihr Unternehmen zu gewinnen?

Margenschwaches Geschäft

Eine Antwort ist: Tourismus ist ein ausgesprochen margenschwaches Geschäft. In Zeiten von Massentourismus und Onlinevergleich bucht der Kunde vielfach dort, wo es am billigsten ist. Die Kosten für Hotels, Transporte, Essen, Verwaltung sind jedoch eine Konstante, die fallen auf jeden Fall an. Ein Airbus A320 braucht auf seinem Weg auf die Kanaren eben eine bestimmte Menge Kerosin; zudem fallen Start- und Landegebühren an sowie Kosten für Wartung und Personal etc. Damit fliegt der Jet erst ab einer bestimmten Auslastung und einem bestimmten Ticketpreis wirtschaftlich. Das ist ein knallhartes Geschäft.

Bei TUI kommt hinzu, dass die Verschuldung des Konzerns hoch und das Wachstum gering ist. Allein in den Jahren 2020 und 2021 schrieb das Unternehmen Verluste in Höhe von zusammen 5,6 Milliarden Euro.

Außerdem hat die Aktie mit einem Sondereffekt zu tun: Großaktionär ist seit Jahren der Russe Alexey Mordashov. Bis zum Ausbruch des Ukrainekrieges hielt er über die zypriotische Firma Unifirm Limited etwa 34 Prozent der TUI-Anteile.

TUI konnte sich bisher immer auf diesen Großaktionär verlassen. So trug er beispielsweise die letzten Kapitalerhöhungen mit. Zudem saß er im Aufsichtsrat des Konzerns. Das war einerseits bequem, barg aber auch die Gefahr, dass man sich darüber hinaus nicht so sehr um Kurspflege bemühen musste.

Risikofaktor Großaktionär

Mittlerweile hat Mordashov den TUI-Aufsichtsrat aufgrund der westlichen Sanktionen verlassen und seine Beteiligung an dem Konzern umgebaut: Kurz vor Inkrafttreten der Sanktionen übertrug der Russe 4,1 Prozent seiner TUI-Anteile an seine russische Holding Severgroup. Den Großteil seiner Unifirm- und somit TUI-Anteile (29,87 %) schrieb er einer Firma namens Ondero Limited mit Sitz auf den British Virgin Islands gut. Im Ernstfall könnte der Russe gar gezwungen sein, für seine 34 Prozent-Anteile einen neuen Käufer zu suchen. Für die TUI-Aktie mit ihrer miserablen Performance könnte das durchaus eine Chance sein, würde doch die schützende Hand des Großaktionärs entfallen und das Unternehmen müsste sich mehr auf eigene Kräfte stützen.

Das Grundproblem aber bliebe: Tourismus ist ein austauschbares Massengeschäft, in dem es um Cent und nicht um Euro geht. Keine guten Aussichten für die nächsten 20 Jahre der TUI-Aktie.

Quelle: Boerse.de
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Verlierer-Aktien: Morphosys (Folge 1)

Jeder, der sein Geld in Wertpapiere investiert, macht die Erfahrung, dass es an der Börse  nicht nur nach oben geht. Nahezu jede Aktie kennt Schwäche- oder Korrekturphasen. Dennoch gibt es Papiere, deren Kurs über viele Jahre steigt. Dann gibt es jene, die eher dahin dümpeln. Und es gibt Unternehmen, bei denen der Aktienchart über lange Zeit ins Minus läuft. Dumm, wer in solche Papieren investiert ist. Immerhin eines ist hier klar: es läuft was gehörig schief.

Sensationell schlechte Performance

Ein Unternehmen, das seit gut zwei Jahren eine sensationell schlechte Performance hinlegt, ist Morphosys. Die Biotechfirma sitzt in Planegg, einem Vorort von München, und hatte unter seinem Mitgründer und früheren langjährigen Vorstandsvorsitzenden Simon Moroney eigentlich eine tolle und für Deutschland herausragende Entwicklung hingelegt: Moroney hatte es geschafft, aus dem Nichts ein Biotechunternehmen aufzubauen, dass auch über Deutschland hinaus Aufmerksamkeit erregte, über eine funktionierende und anerkannte Technologie verfügte sowie Partnerschaften mit großen Pharmakonzernen und eine vielversprechende Pipeline besaß.

Mit dem Abgang von Simon Moroney im Sommer 2019 und dem Antritt von Jean-Paul Kress als Vorstandsvorsitzenden änderte sich das Sentiment für das Unternehmen deutlich. Nur wenige Monate nach Kress´ Start bei Morphosys korrigierte der Aktienkurs seine Richtung und zeigte von da an kontinuierlich nach unten. Das Papier ist seitdem regelrecht abgestürzt und hat etwa 80 Prozent seines Wertes verloren.

Kress kann Vertrauen nicht bewahren

Offensichtlich hat es Kress nicht geschafft, den vorherigen positiven Kurs des Unternehmens zu halten und das Vertrauen der Aktionäre zu bewahren oder zu gewinnen. Wenngleich das Unternehmen mittlerweile die Zulassung für ein Blutkrebsmedikament erhalten hat, hat der Kapitalmarkt Kress´ Strategieschwenk mit der Übernahme des US-Biotechunternehmens Constellation Pharmaceuticals weder verstanden noch verdaut. Auch seine Geschäftszahlen sehen nicht gut aus: Der Umsatz 2021 sank gegenüber dem Vorjahr um 45 Prozent auf 180 Millionen Euro. Noch fataler: aus einem Gewinn von 98 Millionen Euro im Jahr 2020 machte das Management 2021 einen Verlust in Höhe von 514,5 Millionen Euro, was beinahe dem Dreifachen des Umsatzes entspricht. Das sind Relationen, die nicht gutgehen können und auch nicht gut ankommen.

Kurssturz nach CEO-Wechsel

Das Beispiel Morphosys zeigt, dass ein Unternehmen, welches auf einem guten Weg war, plötzlich und anhaltend in der Gunst der Investoren fallen kann. Augenfällig ist, dass dies bei Morphosys zeitlich nahezu exakt mit dem Wechsel an der Unternehmensspitze im Sommer beziehungsweise Herbst 2019 zusammen fällt. Da kann man zu dem Schluss kommen, dass die Politik des neuen Mannes und seines Teams nicht geeignet ist, die Firma auf einem nachvollziehbaren und vertrauenseinflößenden Kurs zu steuern.

Quelle: Boerse.de
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Olympische Spiele: Pechsteins Mittelmaß

Eigentlich, so die Idee, messen sich bei den Olympischen Spielen die besten Sportler der Welt in ihren jeweiligen Disziplinen. In der Regel kommen Sie mit knappem Abstand hintereinander ins Ziel – klar, sie alle sind ja in der gleichen Top-Liga unterwegs.

Das scheint für die deutsche Eisschnellläuferin Claudia Pechstein nicht zu gelten. Beim Eisschnelllaufwettbewerb über die 3000 Meter kam sie in China als 20. von 20 Läuferinnen ins Ziel und benötigte 20,23 Sekunden länger als die Siegerin, Irene Schouten. Pechstein sagt, sie sei dennoch zufrieden, immerhin ist sie bereits 49 Jahre alt.

Natürlich ist die Leistung von Frau Pechstein toll. Für sie persönlich, Das zeigt, dass auch eine ältere Frau, die die besten Jahre hinter sich hat, noch eine beachtliche sportliche Leistung erzielen kann. Allerdings, das können andere ambitionierte Hobbysportler in dem Alter auch. Nur sitzen die nicht der Hybris auf, sich damit bei den Olympischen Spielen beweisen zu müssen.

Es war von Anfang an klar, dass Frau Pechstein keine Chance auf einen Spitzenplatz hat. Warum also ist sie nominiert worden? Schickt man nun auch Mittelklasseathleten zu diesen Veranstaltungen? Dann wird sich bald überhaupt niemand mehr für dieses sportliche Ereignis interessieren. Es gibt zahlreiche Amateurwettkämpfe, an denen auch Senioren teilnehmen können. Claudia Pechstein wäre da gut aufgehoben. Wahrscheinlich würde sie dort Platz 1 statt Platz 20 belegen und würde vermeiden, dass das Mittelmaß nun olympischer Standard wird.

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Olympia 2022: Die Spiele, die keiner braucht

In diesen Tagen im Februar 2022 beginnen also die Olympischen Spiele in Peking und Co. Die Athleten und Betreuer reisen an und begeben sich nach ihrer Landung unmittelbar in eine künstliche, abgeriegelte und kontrollierte Welt: Bereits am Flughafen empfangen sie Gestalten in Ganzkörperkondomen, um sie nach stundenlanger Corona- und Einreiseprozedur entweder in die von der chinesischen Welt und Bevölkerung abgeschottete „Blase“ zu schicken; oder um sie direkt in Quarantäne zu nehmen, was einem Sechser im Lotto gleichkommt: Tausende von Kilometern zu fliegen, um dann nicht an den Spielen teilzunehmen, sondern in einem fremden Land in einem Art Gefängnis auszuharren. Super!

Mal ehrlich: Wer will diese Spiele überhaupt? Wer interessiert sich dafür? Wer nimmt die ernst? Niemand, außer vielleicht den Funktionären und Athleten.

Land der Unterdrücker

Diese Spiele sind aus gleich mehreren Gründen völlig irrelevant und überflüssig: Zum einen werden sie in einem Land veranstaltet, dessen Regierung von Menschenrechten nichts hält und sich vor allem durch Unterdrückung, Einverleibung und Totalüberwachung hervortut. Wenn man es als westlicher Bürger mit einem System nicht zu tun haben möchte, dann ist es das chinesische.

Auf der anderen Seite wird sich dieses System alle Mühe geben, den Schein von perfekten Spielen herzustellen. Alles wird bis ins Detail geplant und auf Hochglanz poliert sein. Kein Staubkorn wird herumliegen, die Pisten werden hervorragend präpariert sein, Männchen werken Winke Winke machen, die Hotels werden toll sein, das Essen wird von Hightech-Robotern serviert. Alles prima – nur eben nicht das echte Leben, sondern Spiele in einem abgeschotteten Disneyland.

Winterspiele ohne Schnee

Und wieso heißen diese Spiele eigentlich Winterspiele? Auf den Bildern aus Peking und Co ist nirgendwo Schnee zu sehen. Außer dem Kunstschnee, der für die Pisten, Langlaufbahnen und Skisprunganlagen zusammengekarrt worden ist. Offensichtlich ist es zu warm, offensichtlich fällt dort maximal Regen, aber kein Schnee. Es handelt sich also um die Suggestion von Winterspielen. Genauso gut könnten die in der Wüste stattfinden – auch die kann man künstlich einweißeln. Im Übrigen hat Kunstschnee eine völlig andere Konsistenz als echter Schnee. Da kommt es nur zu einem Teil auf das Können der Athleten an, zu einem wesentlichen Teil hingegen auf die Qualitäten des verwendeten Materials.

Zuschauer? Fehlanzeige

Die ganze Skurrilität dieser Spiele zeigt sich auch darin, dass keine oder kaum Zuschauer dabei sein werden. Ausländische Besucher sind schon gar nicht erlaubt, was der chinesischen Organisationen vielleicht ganz recht ist, denn die Ausländer könnten nicht nur Viren ins Land tragen, sondern auch regimezersetzendes Gedankengut. Nicht gut, wenn sich das in den Häuserschluchten verbreiten würde. Chinesen wiederum haben nur mit Einladung Zutritt. Da fragt man sich, welcher Chinese eine Einladung zu Olympia bekommt? Der kleine Mann auf der Straße etwa? Es leben die Spiele der Funktionäre, Kader, Parteigetreuen sowie deren Friends und Families.

Das IOC – Verein ohne Rückgrat

Es wäre mal ein starkes Zeichen des Internationalen Olympischen Komitees gewesen, die Spiele unter diesen Vorzeichen abzusagen. Natürlich war das keine Option. Schließlich geht es um hunderte von Millionen Dollar. Und es geht darum, es sich nicht mit einem menschenverachtenden System, das dummerweise einen der weltweit größten Absatzmärkte regiert, zu verscherzen.

Da werden die Athleten also ab dem 4. Februar laufen, rennen, springen und schießen, aber niemand wird wirklich hinschauen, niemand wird sich dafür interessieren. Weil diese Spiele von Beginn an eine einzige Farce sind; Peking 2022 ist nur die Illusion von Olympischen Spielen!

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Die Depression der Anleger – und warum sie falsch liegen

Die Aktienkurse fallen und fallen. Manche Papiere bröckeln vor sich hin, andere stürzen, wiederum andere sind bereits in ein tiefes Loch gefallen. Der Wert von Kryptowährungen ist ebenfalls im freien Fall. Angst hat sich in den vergangenen Tagen und Wochen an den Finanzmärkten breit gemacht, teilweise liegt gar ein Hauch von Panik über den Portfolios.

Zinserhöhungen und Kriegsangst

Die Gründe sind schnell genannt: Zinserhöhungen der US-Notenbank Fed auf der einen Seite: „Die Märkte zittern vor der Fed“ ist zu lesen. Und auf der anderen Seite die Furcht vor einem Angriff Russlands auf die Ukraine. Letzteres hätte in der Tat gravierende und nicht absehbare Folgen – auch für die Finanzmärkte. Sollte Vladimir Putin diesen Schritt gehen und einen Krieg anzetteln, kracht es auch an den Börsen. Nur, wie wahrscheinlich ist ein solches Szenario wirklich? Wird Putin am Ende die ganz große Auseinandersetzung mit einem großen Teil der Weltgemeinschaft wagen, um seine Interessen durchzusetzen? Wahrscheinlicher ist, dass er die Muskeln spielen lässt, um seinen Interessen Nachdruck zu verleihen und es letztlich zu einer diplomatischen Lösung kommt.

Zu den Zinserhöhungen. Erwartet wird, dass die Fed die US-Leitzinsen dieses Jahr drei- oder viermal um jeweils 0,25 Prozentpunkte erhöht und damit am Jahresende bei einem absoluten Zinssatz von 0,75 beziehungsweise 1,0 Prozent rauskommt. Das europäische Pendant EZB will zwar (noch) nicht an der Zinsschraube drehen, die Finanzwelt in Europa wird sich aber dem von den USA ausgehenden Sog wie auch der nach wie vor satten Inflation nicht völlig entziehen können.

Beim Leitzins zurück zur Normalität

Man reibt sich verwundert die Augen angesichts der irrational wirkenden Reaktion der Finanzmärkte. Sicher bedeuten Zinserhöhungen, dass wir uns von einer langen Phase der Niedrig- und Nullzinspolitik verabschieden müssen. Andererseits wäre ein Leitzins von 1,0 Prozent kein Beinbruch und längst auch keine Katastrophe, sondern lediglich die Rückkehr zu einer Art finanzmarktpolitischem Realismus. Betrachtet man sich die US-Leitzinsen über einen langen Zeitraum, sind Werte von 2 bis 3 Prozent der Normalzustand, während der aktuell niedrige Satz nahe Null die Ausnahme darstellt. So lagen die US-Leitzinsen im Jahr 2000 teilweise bei 6,0 Prozent. In den Folgejahren pendelten sie vielfach um Werte zwischen 2,0 und 4,0 Prozent mit Ausreißern nach oben und unten. Erst nach der Finanzkrise 2008 hatten sie eine Null vor dem Komma stehen, aber auch das nicht auf Dauer – 2018 lag der Wert schon wieder bei über 2,0 Prozent.

Ähnlich in der Eurozone: Über lange Zeit lag der Leitzins in den vergangenen beiden Dekaden bei oder deutlich über 2,0 Prozent.

Irrationales Handeln

Die Finanzmärkte beziehungsweise deren Akteure handeln also völlig irrational, wenn sie nun das Bild eines bösen Zinsgespenstes zeichnen, das Anlagen in Aktien unattraktiv machen und unsere Wirtschaft abschnüren werde. Die anstehenden Leitzinserhöhungen in den USA sind nicht nur die langsame Rückkehr zur Normalität; diese Maßnahmen kommen außerdem gut vorbereitet, weil lange angekündigt. Kein Finanzmarktteilnehmer muss ich überrumpelt fühlen.

Im Übrigen läuft die Wirtschaft jenseits und diesseits des Atlantik gut. Der Internationale Währungsfonds rechnet damit, dass sich die weltweite Wirtschaftsleistung 2022 um 4,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr erhöhen wird. In den USA soll es um 5,2 Prozent nach oben gehen, in Deutschland um 4,6 Prozent. Zudem dürfte die Coronapandemie nach Einschätzung zahlreicher Experten dieses Jahr unter Kontrolle gebracht werden. Und die Inflationsraten sollten deutlich geringer als bisher ausfallen, da der coronabedingte Basiseffekt des Vorjahres wegfallen wird.

Liebe Investoren, Aktienverkäufer, Analysten und Wirtschaftsprognostiker – auch wenn Ihr derzeit tief im Moll versunken seid, weil ihr Euch von Eurer Depression leiten lasst: die Lage ist besser als Eure Stimmung. Ihr übertreibt mal wieder. Eurer Wehklagen ob der angeblichen Zinsgefahr ist schlichtweg fehl am Platze.

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Deutsche Telekom-Aktie: Wenn Sie Geld zu verschenken haben

Telekom-Aktie seit Börsengang 1997 – Quelle: finanzen.net

Dieser Langfrist-Chart der Deutschen Telekom sagt alles: Wenn Sie Geld zu verschenken haben, wenn Sie keine Rendite wollen, wenn Sie Ihr Geld einfach nur rumliegen lassen wollen, dann müssen Sie sich diese Aktie ins Depot legen. Gut, es gibt etwas Dividende. Die wird aber durch die An- und Verkaufsgebühren, durch die Depotgebühren und gegebenenfalls vom Finanzamt wieder mächtig angeknabbert.

Ansonsten ist es faszinierend zu sehen, wie schlecht sich ein Unternehmen über so lange Zeit auf dem Finanzmarkt zu verkaufen vermag. Offensichtlich haben es die verschiedenen Manager der Firma in den vergangenen mehr als zwei Jahrzehnten nicht geschafft, das Interesse der Investoren für die Deutsche Telekom zu wecken und Fantasie für die künftige Entwicklung zu wecken. Denn auf Fantasie reagiert die Börse in der Regel sehr sensibel. Die hatte einst der ehemalige DDR-Schauspieler entfacht, als er mit seinem Kopf für den ersten Börsengang der Telekom im Jahr 1997 warb. Es war die Zeit des großen Aufbruchs. Staatsunternehmen wie die Deutsche Post und die Bahn wurden teilweise oder ganz privatisiert, die einst hermetisch abgeschlossenen Märkte geöffnet.

Herr Krug spielte den netten Onkel von nebenan, der uns suggerierte, dass der Kauf von T-Aktien eine tolle Sache sei, bei der man eigentlich nur gewinnen könne. Nun ja, im linken Teil des Charts ist zu sehen, wie das endete.

Herr Krug bezeichnete seine Teilnahme an den Werbespots übrigens später als seinen „größten beruflichen Fehler“. Gegenüber dem Magazin Stern erklärte er im Januar 2007: „Ich entschuldige mich aus tiefstem Herzen bei allen Mitmenschen, die eine von mir empfohlene Aktie gekauft haben und enttäuscht worden sind.“

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Finanzberatung für Frauen – Spalterinnen der Gesellschaft

„Her Money – Finanzfitness für Frauen” oder „Madame Moneypenny“, nennen sich zwei von mehreren Online-Ratgebern, die lediglich eine Hälfte der Bevölkerung, nämlich die weibliche, ansprechen. Männer haben auf diesen Seiten nichts zu suchen. Die Begründung für diese Segregation wird gleich mitgeliefert: „In Finanzfragen haben sich Frauen noch längst nicht emanzipiert.“ Aha. Zusätzlich packen die Verantwortlichen der Seiten Argumente aus der emanzipatorischen Mottenkiste aus: Frauen verdienen weniger und Frauen arbeiten kürzer, deshalb haben sie weniger Geld als Männer zur Verfügung. Ein Blick in die reale Unternehmenswelt würden der Her Money-Redaktion und Gründerin Anne E. Connelly zeigen, dass sie diesbezüglich im Vorgestern zuhause sind und die Erde sich weiter gedreht hat. Oder unterscheidet der ÖTV-Tarif etwa zwischen Frauen und Männern? Stuft die HR-Abteilung von Siemens Frauen für die gleiche Tätigkeit niedriger ein als Männer? Werden Lehrerinnen schlechter bezahlt als ihre männlichen Kollegen? Geschäftemacherinnen wie bei Her Money erzählen ganz oft einfach nur Blödsinn.

Madame Moneypennys Drohkulisse

Frau Moneypenny wiederum lässt uns wissen, dass sich viele Frauen „in finanzieller Abhängigkeit vom Partner“ befinden – „das ist gefährlich“! Klar, man muss erstmal eine Drohkulisse aufbauen, so unzutreffend sie auch sein mag, um darauf die Berechtigung für das eigene Tun zu begründen. Von ehelichem Zugewinn, der im Fall einer Scheidung 50:50 aufgeteilt wird und vom Ausgleich erworbener Rentenpunkte zwischen Mann und Frau hat Miss Moneypenny Natascha Wegelin offenbar noch nichts gehört – oder lässt es bewusst unter den Tisch fallen, um ihre eigene Argumentation nicht zu gefährden. Immerhin geht es ja um „femaleempowerment“ – als ob es keine Lagardes, Merkels, Baerbocks, Garijos (Merck KGaA) oder Jäkels (Gruner + Jahr) gäbe.

Beim Lesen der Seiten erfährt man außerdem, dass Frauen länger leben. Wie schön – Vorteil Frauen. Nein, ist es doch nicht, denn damit brauchen Frauen länger Geld als Männer. Vor allem aber: Frauen kümmern sich zu wenig um Geldthemen. Ergo muss man diese Themen den Frauen näher bringen – Männer haben das ganz offensichtlich nicht so nötig, denn jeder Mann hat ein gut gefülltes Konto und schaut jeden Tag mindestens dreimal in sein üppiges Wertpapierdepot mit den steil nach oben ziehenden Kurven.

Auf den Frauenseiten geht es um Altersvorsorge und Versicherungen, um Investitionen in Aktien, ETFs, Gold und Immobilien, oder um „Geld in der Familie“. Die Berater, die kontaktiert werden können, sind bei Her Money konsequenterweise allesamt Beraterinnen, also offenbar weiblichen Geschlechts (wie war das nochmal mit der Jobverteilung in unserer Gesellschaft?).

Gibt es weibliche ETFs?

Man könnte sich nun fragen, worin der Unterschied liegt, wenn eine Frau statt eines Mannes einen ETF, einen Fonds, Gold oder eine Immobilie kauft? Gibt es weibliche ETFs? Gibt es Finanzprodukte, die nichts für Männer sind? Und gibt es einen Unterschied in der Art, wie Frauen diese Produkte kaufen? Handeln sie etwa nicht online mit Hilfe eines digitalen Bankdepots? Gibt es da ein weibliches Geheimnis, von dem der Rest der Welt nichts weiß und das Männer nichts angeht? Gibt es Informationen zu bestimmten Finanzprodukten, die nur Frauen verstehen, nicht aber Männer? Und sind Fragen wie „Wie steht es um meine Finanzen?“ und „Wie ist meine Einstellung zu Geld und wie ändere ich sie?“ so komplex, dass nur Frauen etwas damit anfangen können?

Der gedankliche Ansatz von Her Money, Madame Moneypenny, Frag Fina, Finanzfachfrauen und wie die weiblichen Beratungswebseiten sonst so heißen, ist nicht nur das Ergebnis pseudofeministischer Schrägdenkerinnen, sondern hat auch stark rassistischen und gesellschaftlich spaltenden Charakter: Männer sind nicht gewünscht, werden draußen gehalten. Mit 50 Prozent der Gesellschaft wollen diese Innen nichts zu tun haben. Das ist mal ein richtig konstruktiver Beitrag für unser soziales Miteinander, beinahe wie der Spaziergang einiger Impfverweigerer.

Männer als Bedrohung

Als Mann sollte man sich besser hüten, solchen Frauen abends alleine auf der Straße zu begegnen. Wahrscheinlich wittern sie in jedem Menschen mit Penis eine akute Bedrohung und stellen entweder auf Attacke um oder erstatten Anzeige. Manchmal erstatten solche Frauen ja auch erst nach Jahren Anzeige, weil ihnen verspätet einfällt, dass sie mal belästigt worden sein könnten. Im Übrigen möchte man sich nicht wirklich mit der Frage beschäftigen, wie der männerfeindliche Alltag neben diesen Gewächsen aussehen muss.

Schön wäre, wenn die Her-Money-Macherinnen wenigstens korrektes Deutsch könnten. Die Überschrift „Was du wissen solltest, wenn du ein Finanzprodukt erwerbst“, lässt jedenfalls nicht nur an den sprachlichen Fähigkeiten der Frauen zweifeln, sondern zeigt zudem, dass diese vermeintlichen Finanzberaterinnen mit ziemlich kaltem Wasser kochen: Große Klappe, nichts dahinter.

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Belästigung bei der Deutschen Bank: 95 Prozent Luft

Nun soll es auch bei der Deutschen Bank einen Me-Too-Fall geben, also sexuell unkorrektes Verhalten von Männern gegenüber Frauen. Wobei, konkret handelt es sich um eine Frau, die angeblich diesen Vorwurf erhebt. „I want you“ titelt die Süddeutsche Zeitung (SZ) im Dezember 2021 und widmet sich der Angelegenheit über rund 10.000 Zeichen auf fast einer ganzen Zeitungsseite.

Damit hat die Redaktion dem Thema eine Menge Platz eingeräumt. Vermutlich setzte dort angesichts der Story, deren journalistisches Ausgrabungsergebnis sich die SZ selbst zurechnet (Zitat: „nach Informationen der Süddeutschen Zeitung“) Schnappatmung ein. Sexuelle Übergriffe sind immer ein Thema, ein hoch sensibles zumal, vor allem in diesen Zeiten, in denen Regisseure, Filmemacher, Manager und sonstige Männer (also eigentlich alle) Frauen üblicherweise in unziemlicher Weise nachstellen.

Konjunktive und Annahmen

Vielleicht hätten die SZ-Redakteure und namentlich die Autorin Meike Schreiber nochmal durchatmen sollen, ehe sie sich auf das glatte Feld der Verdachtsberichterstattung begeben. Denn der Text trieft vor Konjunktiven und unbewiesenen Annahmen, auch wenn die Schreiberin krampfhaft glauben machen möchte, dass die Me-Too-Vorwürfe einer früheren Mitarbeiterin die Bank „erschüttern“ würden. Da ist zu lesen, dass das Arbeitsklima bei der Bank „möglicherweise“ ein anderes ist als diese in ihrem Marketing vorgibt. Man liest von „mutmaßlichen Fällen“ und erfährt, dass staatsanwaltliche Ermittlungen gegen einen von zwei Managern eingestellt worden seien. Aha, laut Staatsanwaltschaft war da offenbar nichts dran. Beide Männer würden die Vorwürfe zudem zurückweisen.

Schließlich kommt auch Frau Schreiber nicht umhin zuzugestehen, dass es hier „wie in ähnlichen Fällen schwierig“ sei, „ein Gesamtbild zu liefern“. Wieso dann 10.000 Zeichen, fragt man sich, zumal die fragliche Deutsche-Bank-Frau, so erfährt man ebenfalls, ein Verhältnis mit einem der beiden Manager hatte und einen Chat mit dem anderen Manager führte, der „ins Sexuelle“ drehte – „offenbar nicht ganz ohne ihr Mitwirken“, so die SZ.

Bemerkenswert ist auch, dass die Frau, damals immerhin Ende 20 und gut ausgebildet (also wohl kein naives Küken), das Unternehmen aus Gründen, die nichts mit den angeblichen Übergriffen zu tun hatten, verlassen musste. Dagegen klagte sie. Sie wollte mindestens 100.000 Euro Schadenersatz. Irgendwann fiel ihr dann offenbar ein, auch noch das Argument der sexuellen Belästigung in diese Angelegenheit einzubringen.

Hypersensibilität mit Beißreflex

Wir wollen hier gar nicht unterstellen, dass in diesem Fall eine Frau aufgrund ihres Raufwurfs das Maximum für sich herausholen und sich darüber hinaus rächen wollte, indem sie unfeine Argumente hervorholte. Man könnte allerdings den Eindruck gewinnen, dass auf Seiten der Redaktion eine Hypersensibilität mit Beißreflex vorherrscht, die den Blick angesichts der mauen Faktenlage erheblich trübt. Frau Schreibers mühsam gestricktes Belästigungsepos schrammt jedenfalls nah an der Fahrlässigkeit vorbei. Bereits die Überschrift „I want you“ führt bewusst in die Irre – der Leser denkt hier an Sexuelles, so wie von der Redaktion gewollt. Tatsächlich, erfährt man im Text, bezieht sich dieses Zitat auf einen der beiden Manager, der eine berufliche Position mit der Frau besetzen wollte.

Me-Too scheint es auch in den Köpfen einiger Schreiber zu geben, die wie in diesem Fall ein Thema derart aufblasen, dass es am Ende 95 Prozent Luft enthält. Der Leser lernt dabei: So sieht Qualitätsjournalismus aus.

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Drei politische Quick Wins für unsere Umwelt – und für uns

Teil 3: Volksbegehren für ein Tempolimit

Gut, die neue Regierung hat entschieden, dass es kein generelles Tempolimit auf deutschen Autobahnen geben soll. Zumindest steht dieses Ziel nicht im Koalitionsvertrag. Auf gut 70 Prozent der gut 25.000 deutschen Autobahnkilometern kann damit weiterhin das Gaspedal weit durchgedrückt werden. Schade, denn es wäre die Möglichkeit für einen weiteren Quick Win der Scholz-Regierung gewesen: Ein Tempolimit von 130 oder gar 120 Stundenkilometern hätte schnell entschieden und umgesetzt werden können. Die Maßnahme hätte niemandem wirklich weh getan, denn auch bei dieser Geschwindigkeit ist ein flottes und flüssiges Reisen gut möglich. Die Autofahrer müssten dabei nicht einmal den Fuß vom Gaspedal nehmen – sie bräuchten ihn lediglich nicht mehr ganz so weit durchdrücken.

1,9 Millionen Tonnen ist nicht viel?

Die Maßnahme hätte eine sofortige positive Wirkung für unsere Umwelt, denn sie trägt unmittelbar und spürbar zur Reduzierung des Schadstoffausstoßes bei. Nach Untersuchungen des Umweltbundesamtes würde eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 130 Stundenkilometer den jährlichen Ausstoß an schädlichen Treibhausgasen (CO2) um 1,9 Millionen Tonnen senken. Manche, wie der ehemalige CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet, sagen zwar, das sei nur ein kleiner Effekt; doch zum einen sind 1,9 Millionen für sich genommen eine durchaus beachtliche Zahl; zum anderen erreicht man sein Ziel bekanntermaßen nur, wenn man viele einzelne Schritte aneinandersetzt.

Eine Entscheidung für eine Geschwindigkeitsobergrenze wäre darüber hinaus schonend für den Geldbeutel der Autofahrer gewesen, da der Benzinverbrauch der Schnellfahrer sinkt und damit deren Ausgaben für Kraftstoff. Schließlich wäre entgegen aller Meinungen von Tempolimit-Gegnern eine weitere Reduzierung der Unfälle möglich, da harmonische Geschwindigkeiten ohne Tempoausreissern nach oben die Gefahren plötzlicher Kollisionen deutlich verringern. Wie all dies entspannt gelingen kann, zeigt sich in Österreich auf der Inntalautobahn zwischen Kufstein und Innsbruck: Hier gilt durchgehend Tempo 100. Beinahe alle halten sich daran, da jedem bewusst ist, dass andernfalls ein drastisches Bußgeld droht. Es ist ein allgemeines Gleiten, ohne Hetze, ohne Stress, ohne nervöses Drängeln. Gut nicht nur für Umwelt und Geldbeutel, sondern auch für die Seele.   

Aber gut, Herr Lindner und seine FDP wollten all dies nicht. Für sie stehen die Interessen der Autoindustrie und Autofahrer offensichtlich über denen der Umwelt. Offenbar bedeutet Freiheit für diese Leute auch Freiheit zum Rasen. Gleiches gilt für die Präsidentin des Bundesverbandes der deutschen Automobilindustrie, Hildegard Müller, die kürzlich in einem Interview mit der FAZ behauptete, ein Tempolimit sei ein „völlig überhöhtes Symbol“. Dass sie so etwas sagt, ist nicht verwunderlich, immerhin vertritt sie die Interessen ihrer Klientel. 1,9 Millionen Tonnen CO2, die sich über uns und unser Land ausbreiten, sind auch für sie offensichtlich eine kleine Zahl.

Zeit für ein Volksbegehren

Nun, da die Politik sich nach wie vor und wieder einmal scheut, diesen Quick Win einzufahren, wäre es an der Zeit des Volkes, ihn einzufordern. Es hätte das Mittel des Volksbegehrens und gegebenenfalls in der Folge des Volksentscheides, diesen Schritt gegen den Willen der neuen Regierung, aber mit dem Willen einer Mehrheit der Bürger, durchzusetzen. Nach verschiedenen Untersuchungen sprechen sich teils über 70 Prozent der Bürger dafür aus. Selbst nach einer Umfrage des Autofahrerverbandes ADAC sind gut 50 Prozent der Bevölkerung für eine Geschwindigkeitsobergrenze. 

Ein Tempolimit von 130 auf deutschen Autobahnen passt jetzt so gut in die Zeit wie nie zuvor. Alle reden davon, unser Klima zu retten. Und wir nehmen uns nach wie vor die Freiheit, ungehemmt zu rasen. Ganz nach dem Motto: Mag die Welt auch untergehen, aber mit Tempo.   

Dass ein Volksbegehren in derart grundlegenden Fragen funktionieren kann, zeigte einst die Durchsetzung des Rauchverbots in Gaststätten und öffentlichen Räumen. Warum nicht also auch diesen Schritt in Sachen Tempolimit gehen, um unserer Umwelt und damit uns allen ganz schnell ein bisschen mehr Luft zu verschaffen. Wenn die Politik es nicht will, dann eben das Volk.

P.S.: Wie schnell darf man eigentlich bei unseren Nachbarn maximal fahren? Italien 130km/h, Frankreich 130 km/h, Schweiz 120 km/h, Belgien 120 km/h, Niederlande 100 km/h…

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Drei politische Quick Wins für unsere Umwelt – und für uns

Teil 2: Besteuert das Flugbenzin

Während der erste Quick Win darin besteht, etwas billiger zu machen, nämlich das Bahnfahren, geht es im zweiten politischen Quick Win der neuen Regierung darum, im Sinne unserer Umwelt etwas teurer zu machen – das Fliegen. Es ist eine alte, aber bislang weitgehend ungehörte Forderung, endlich auch das Flugbenzin zu besteuern. Tatsächlich versteht kaum jemand, wieso auf Benzin und Diesel für unsere Autos erhebliche Steuern lasten, auf dem Flugbenzin aber keine; wieso ein Flug von München nach Berlin oder von Frankfurt nach Rom teilweise billiger zu haben ist als eine Fahrt mit der Bahn.

Quelle: Pixabay

Fliegen ist viel zu billig. Die Kluft zwischen dem, was wir zahlen und dem, was diese Art des Reisens tatsächlich kosten müsste, ist riesig. Wie kann es sein, dass die Reise mit einer Maschine, die 75 und mehr Tonnen wiegt, auf elf Kilometer Höhe hinaufkatapultiert werden muss, mit 800 Stundenkilometern dahingleitet und uns 2000 Kilometer weit bringt für den Preis eines gehobenen Restaurantbesuchs zu haben ist?

Für 70 Euro in den Overtourismus

Natürlich nehmen wir diese Angebote gerne wahr und lassen uns für 70 Euro in zwei Stunden nach Barcelona jetten. Nur, es ist ein umweltpolitischer Luxus, den wir uns in Zeiten, in denen das Klima dieser Welt zu kippen droht, schlichtweg nicht mehr leisten können. Und seien wir ehrlich: Der Erholungsfaktor einer erdgebundenen Reise nach Regensburg oder Schwerin, der Erholungsfaktor eines Ausfluges in den Wester- oder Bayerischen Wald ist mindestens ebenso hoch, wie in Overtourismus-Destinationen mit tausenden gleichgesinnten Billigurlaubern durch Innenstadtgassen zu strömen.

Die steuerliche Bevorzugung von Flugbenzin ist vor Jahrzehnten eingeführt worden, um die weltweite Luftfahrt zu fördern. Es scheint, als sei es schwierig bis gar unmöglich, dieses einmal gegebene Steuergeschenk wieder einzukassieren. So klagen Airlinemanager, dass die Steuerung einer Fluggesellschaft bereits mit Subventionen ein beinhartes Geschäft sei, in dem die Belegung weniger Sitze mehr oder weniger darüber entscheidet, ob das Unternehmen in den roten oder schwarzen Zahlen fliegt.

Service war mal

Entsprechend wird an der Kostenschraube gedreht, entsprechend ist der einstige Reiz, gar die Exklusivität des Fliegens längst dahin. Fliegen ist wie Busfahren: Zusammengepfercht wie in einer engen Dose müssen die Passagiere ein, zwei oder mehr Stunden weitgehend regungslos auf unbequemen Sitzen ausharren, ehe sie das Gefängnis wieder verlassen dürfen. Service war mal. Wer ein Ticket kauft, erwirbt die reine Transportleistung. Bei Tui Fly beispielsweise kostet alles extra – der Wunsch-Sitzplatz, das Gepäck, selbst der Kaffee. Auf die Frage nach einer Zeitung lacht die Kabinenbedienung kurz auf, als hätte man eine unverschämte Frage gestellt.

Immerhin hat die EU nun die Absicht geäußert, einen Mindeststeuersatz für Flugkraftstoffe durchsetzen und damit nach jahrelanger Diskussion die Steuerfreiheit für Kerosin abschaffen zu wollen. Dieser Schritt würde mehr freien Markt in eine gepamperte Branche bringen. Und er würde mehr Chancengleichheit der verschiedenen Verkehrsträger erzeugen. Ob dieser Plan der EU allerdings Realität wird, ist noch nicht ausgemacht.

Bis dahin könnte sich die neue deutsche Regierung gemäß ihrem Anspruch fortschrittlich zeigen und von sich aus aktiv werden. Sicher würde der Einwand kommen, dass Deutschland als einzelnes Land es sich nicht erlauben könne, einseitig Steuern auf Kerosin zu erheben. Doch, das können wir. Der deutsche Markt ist für Fluggesellschaften viel zu wichtig, als dass sie wegen Benzinsteuern in einem Bogen darum herum fliegen würden. Zugleich würde die neue Regierung deutliche Zeichen für andere Nationen setzen.

Fokus auf die wirklich wichtigen Reisen

Sicher, die Effekte wären für uns alle etwas schmerzlich. Den Billigflug nach irgendwo gäbe es dann in der bisherigen Form nicht mehr. Das wiederum würde uns zwingen, zu entscheiden, welche Reisen uns wirklich wichtig sind, statt zu sagen: Ach, fliegen wir mal übers Wochenende nach Kopenhagen, das kostet ohnehin fast nichts.

Vor allem aber die Umwelt würde es uns danken. Wenngleich manche Leute immer wieder sagen, dass der Anteil des Luftverkehrs am gesamten CO2-Aufkommen gar nicht so hoch sei, so ist er doch ein Element in dieser Kette. Es würde gut ins Konzept der Klimaregierung passen, den schädlichen Einfluss dieses Elementes zu reduzieren. Es könnte schnell geschehen. Und wenn die Flugzeughersteller unter diesem Druck eines Tages mit dem emissionsfreien Antrieb auf den Markt kommen, können wir vielleicht auch wieder sorgenfrei einen Kurztrip nach Malle machen.

Teil 3 erscheint am 14. Dezember 2021

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