Seitenbacher – Werbung auf Kleinkindniveau

Nein, ich will dieses Müsli nicht! Foto: Schüller

Wenn es einen Preis für die nervigste Werbung gäbe, wäre die Odenwälder Müslifirma Seitenbacher ganz vorne dabei. Radiohörer kennen die mit schwäbischer Stimme gesprochenen Slogans wie „Seitenbacher Müsli – lecker, lecker, lecker!“ oder „Seitenbacher- Müsli, woisch, des isch des Müsli von dem Seitenbacher!“. Oder: „Seitenbacher Bergsteigermüsli. Bergsteigermüsli von Seitenbacher.“ Man muss dem Unternehmen zu Gute halten, dass es mit seiner einfallslosen Wiederholungsschleife des Firmennamens verkaufstechnisch Erfolg hat – angeblich verkauft sich das Krümelzeug gut.

Andererseits ist die Werbung nicht nur einfach einfallslos und auf Kleinkindniveau, sie ist auch beleidigend. Denn offenbar halten die Macher der Spots ihre Zuhörer für so begriffsstutzig, dass sie sich in jenen schier unendlichen und kaum erträglichen Wiederholungen ergehen müssen. Kurz: Durch stures Repetieren des Firmennamens wird auch der begriffsstutzigste Zuhörer irgendwann kapieren, dass es sich um ein Produkt aus dem Hause S. handelt. Das ist Werbung mit dem Vorschlaghammer: Man haut dem Kunden damit solange auf die Birne, bis er aufgibt – Du kleiner Dummling, du kaufst gefälligst das Müsli von S, das Müsli von S kaufst du, kaufst du endlich das Müsli von S, ja von S!!! Lecker, lecker, lecker (dabei möchte man sich eigentlich übergeben).

Da ist es dann doch erstaunlich, dass der Werbeeffekt nicht ins Gegenteil umschlägt – nämlich in Kaufverweigerung wegen penetranter Kundenverballhornung. Wobei, es soll immer mehr Menschen geben, die im Einkaufsmarkt mittlerweile um genau diese Marke einen Bogen machen: Müsli ja, aber bloß nicht von Seitenbacher!

Seien Sie anspruchslos

„Seien Sie anspruchsvoll“ – mit diesem Slogan warb die Süddeutsche Zeitung (SZ) lange für sich. Dass dieser Anspruch längst nicht für alle Produkte der Süddeutsche Zeitung GmbH gilt, war mal wieder in den vergangenen Tagen und Wochen zu sehen und zu lesen.

Eternal Beauty

Da liegt der Zeitung eines Tages ein magazinartiges Beiblatt mit dem Titel „Eternal Beauty“ bei. Es geht um „Health & Wellbeing“, „Lift me up – neueste treatments“, „Selfcare“ und „Back to shape“. Offenbar sind den Machern unter Habib Yaman die deutschen Begriffe ausgegangen; kurzerhand haben sie ein neues Kauderwelsch erfunden. Die Themen sind so bedeutungslos wie ihr Inhalt teuer und ihr wirklicher Nutzen fragwürdig: Kaviar-Hautpflegeprodukte zu 480 Euro (Anzeige), Heilverfahren mit Hype-Faktor, mikrobiombasierte Ernährung, State-of-the-Art-Behandlungen. Natürlich darf ein Reisebericht zu „holistischen Hideaways“ auf den Malediven nicht fehlen. Alles sauber journalistisch recherchiert und objektiv geschrieben, so wie man es aus dem Hause SZ kennt. Vulgärsprachlich könnte man solch ein Produkt auch als gequillte Sch… bezeichnen – aber von solch einer Ausdrucksweise distanzieren wir uns hier ausdrücklich.

Allgäu Top Hotels

Wenige Tage später dann fällt einem beim Durchblättern der Zeitung das Heftchen „Allgäu Top Hotels“ auf die Füße, laut Impressum ebenfalls ein Produkt der Süddeutsche Zeitung GmbH. Die darin auf 20 Seiten beschriebenen Gästebetriebe sind genau jener Kategorie, die der coronageplagte Deutsche jetzt gerne aufsucht: Das Doppelzimmer so ab 300 bis 400 Euro aufwärts. Gut, in ein Haus kann man sich bereits für 113 Euro pro Nacht einmieten, dafür gibt es andere nicht unter 580 Euro. Die Mitglieder von Claus Weselkys Gewerkschaft werden dort gerne buchen. Den Überschriften nach wird es ihnen dort richtig gut gehen, versprechen diese Hotels doch das „große Glück im Kleinen“, den „Gipfel des Wohlgefühls“ oder einen „Urlaub voller Hochgefühle“. Ganz viel Marketingbrei auf einem Haufen. Immerhin, wenn man genau auf die Titelseite dieses Produktes schaut, erkennt man schwach und klein, dass es sich um eine Anzeigensonderveröffentlichung des Verlages handelt.

Wohlfühlen

Ende September 2021 liegt der gedruckten Zeitung dann die Beilage „Wohlfühlen“ bei. Da darf die verantwortliche Redakteurin Susanne Hermanski, die auch Leiterin der Kulturredaktion der SZ ist, über mehrere Seiten Werbung für Luxushotels auf den Malediven machen. Wie sie zu dieser Reise gekommen ist, erfährt der Leser versteckt im kleingedruckten Impressum: „Die Recherchen für diese Ausgabe wurden zum Teil unterstützt von Veranstaltern, Hotels, Fluglinien und/oder Tourismus-Agenturen“. So, die Journalisten hat sich offenbar auf einen mehrere tausend Euro teuren Luxustrip einladen lassen, um nachher schön darüber zu schreiben. Immerhin hätte sie dann darauf achten können, dass man das Ressort, welches sie meint, mit einem „s“ schreibt. Ob die Malediven in Zeiten, in denen die neue deutsche Politik die Bekämpfung des Klimawandels oben auf die Agenda setzen will, das passende Reiseziel sind, sei nur am Rande vermerkt.

Daneben ist Frau Hermanski auch nach Madrid gereist und berichtet offensichtlich aus eigenem Augenschein aus den Häusern Mandarin Oriental Ritz sowie Four Seasons Hotel Madrid – beide zählen bekanntermaßen nicht zu den Billigabsteigen. Echter Journalismus kann so schön sein!

Dass darüber hinaus namentlich Kosmetika und italienische Designprodukte besprochen werden, passt ins Bild dieses Werbeheftes. Und der Ehemann von Frau Hermanski wurde auch bedacht – er durfte ebenfalls einen Beitrag verfassen.

Süddeutsche Zeitung – vielleicht sollten wir doch nicht zu anspruchsvoll sein.

Der Mensch: Für den Wandel nicht bereit

Deutschland hat gewählt, nun soll das Land nach dem Willen von Grünen und Co. möglichst schnell klimafreundlich gemacht werden. Dafür braucht es Technologien und politische Vorgaben, das ist das eine – die Bereitschaft der Menschen für Veränderung ist das andere. Doch am Willen, den eigenen Lebensstil zu ändern, hapert es.

Das ist jeden Samstag früh beim Bäcker zu beobachten, wenn Mann oder Frau die 800 Meter von der Wohnung mit dem Auto fährt statt das Fahrrad zu nehmen oder zu Fuß zu gehen. Gleiches morgens vor dem Kindergarten, wenn die Fünfjährige von Mama mit dem SUV gebracht wird. Da findet bereits die mobile Prägung für das restliche Leben statt.

Wie es um die Lage der Menschheit steht, lässt sich exemplarisch auch an Alpenpässen beobachten. Beispiel Kesselberg, das kurvenreiche Asphaltband zwischen Kochel- und Walchensee. Freitagnachmittags (an Wochenenden ist der Pass für motorisierte Zweiräder gesperrt) treffen sich hier Motorradfahrer in Scharen, um die Straße vielfach mit hoher Geschwindigkeit und in extremer Schieflage zu befahren – hoch, runter und gleich wieder hoch. Wehe, wer dann dort als einfacher Fahrradfahrer unterwegs ist.

Oder Dolomitenpässe an einem Sommerwochenende: Jene Rennradfahrer und Mountainbiker, die sich schwitzend und geräuschlos auf Sellapass, Falzarego und Giau hocharbeiten, sind arme Kerle, denn sie sind einem permanenten ohrenbetäubendem Röhren aufheulender Motoren ausgesetzt. Heerscharen von Motorradfahrern, die zum Spaß einige hunderte Kilometer über die Pässe düsen, ziehen teilweise im Sekundentakt dicht an ihnen vorbei. Dazu gesellen sich PS-starke Cabrios, die Fahrer jenseits der 55, die ihre Männlichkeit unter Beweis stellen, indem sie die Motoren ihrer flachen Mobile zwischen den Kurven mal richtig ausreizen. Und dann gibt es noch jene hunderte motorisierte Freizeit-Autofahrer, die zwar mit moderaterem Tempo, aber ebenfalls nur zum Vergnügen durch die Lande fahren.

Oben am Pass treffen sie sich alle wieder. Die Autofahrer schieben sich mühsam aus ihren Sitzen, gehen zehn Meter zum Aussichtspunkt, drücken für ein Selfie auf die Auslöser ihrer Handys und gönnen sich dann im nahegelegenen Restaurant ein Radler oder einen Aperol Sprizz.

Die Motorradfahrer begutachten erst eingehend die im Pulk versammelten Bikes, ehe sie ihren Bierbäuchen eine Currywurst zu 7 Euro und eine Tasse Kaffee oder Pils gönnen. Lässig zurückgelehnt und hinter coolen Sonnenbrillen versteckt geben sie dann auf der sonnigen Terrasse ihre kilometergefressenen Heldentaten des Tages zum Besten, ehe sie ihre aus den Fugen geratenen Wohlstandskörper, die nur durch die Lederkleidung halbwegs zusammengehalten werden, wieder über die Sitze ihrer 1000-Kubik-Maschinen schwingen, mit einem Wumm die Motoren starten, im Leerlauf mehrmals am Gasgriff drehen – Hallo, hier bin ich. Ich! – und dann mit weit hörbarem Röhren den Pass hinunter düsen – und dem nächsten Pass entgegen.

Ein Tag an einem Alpenpass beweist: Der Mensch ist faul und gefräßig. Für die Rettung unseres Planeten ist er nicht bereit. Selbst an dem Tag, an dem die Welt untergeht, wird er nochmal seine Maschine anwerfen und ein letztes Mal zum Spaß durch die Kurven röhren.

Fotos: Schüller

Hurtigrutens Mogelpackung

Kreuzfahrtunternehmen, Trekkingveranstalter und Wüstenfahrer verkaufen ihre Reisen gerne als Expeditionen. Das ist meistens glatt gelogen. Echte Expeditionen gibt es in unserer Welt kaum noch – höchstens zu uns selbst.

 

Eine Expedition ist qua Definition die Forschungsreise einer Personengruppe in unerschlossene beziehungsweise vorher nicht betretene Gebiete. Insofern ist es eine gewagte Aussage der norwegischen Postschiffgesellschaft Hurtigruten, Expeditionen ins Land der Mitternachtssonne – in diesem Fall Spitzbergen – anzubieten. Was es mit einer Expedition zu tun hat, wenn man eine bereits tausendfach bereiste Region bei einem Cocktail vom bequemen Clubsessel aus betrachtet, bleibt das Geheimnis der mittlerweile zum Touristikkonzern mutierten Firma.

Immerhin, um werbende Worte ist Hurtigruten nicht verlegen. Mit kräftigen Adjektiven lockt das Unternehmen, dieses „einzigartige“ und „bedrohte“ Naturreservat zu besuchen. Von einer „einmaligen Expedition nördlich des Polarkreises“ ist die Rede, eventuell werde sogar der 80.Breitengrad überfahren – wahrscheinlich fühlen sich die Expeditionsteilnehmer dort besser als südlich davon. Eventuell sehen sie sogar einen Eisbären. Potenzielle Expeditionisten sollten also schnell buchen, ehe das Naturjuwel an Glanz verliert und der Eisbär mit der abtauenden Eisscholle im Meer versinkt. Da scheint es eher nebensächlich, dass die Schiffe, wenngleich mit „fortschrittlicher Umwelttechnologie“ ausgestattet, durch ihren CO2-Ausstoß einen Beitrag leisten, den Eisschwund zu beschleunigen.

Organisierte Reisen mit Komfort

Auch Outdoor- und Alpinreiseveranstalter nehmen den Begriff Expedition gerne in den Mund. Firmen wie Amical Alpin, Diamir oder Kobler & Partner führen eigene Rubriken mit diesem Titel. Gemeint sind damit durchorganisierte Reisen zu hohen Bergen bei größtmöglichem Komfort: Träger schleppen die Lasten, Köche sorgen für das Wohlbefinden, es gibt Duschen und zumindest zeitweise Internet. Mittels aktuellem Wetterbericht wird das bestmögliche Zeitfenster für einen Gipfelaufstieg ermittelt und damit das Risiko von störender Wolkenbildung reduziert.

Zugleich dehnen die Veranstalter die Bedeutung des Begriffs Expedition weit aus: Hauser Exkursionen bezeichnet beispielsweise die jährlich hundertfache Besteigung des 6962 Meter hohen Aconcagua in Argentinien als eine eben solche Expedition. Tatsächlich handelt es sich dabei um einen alpinen Spaziergang, wenngleich in stattlicher Höhe.

Die Firma Arktis Tours übt sich hingegen in kreativer Wortschöpfung und verkauft „Expeditions-Kreuzfahrten“, versucht also, entbehrungsreiche Neulandsuche mit Komfort zu vereinen. Das ist in etwa so, wie mit dem Reisebus die Großglocknerstraße hinaufzufahren und die traurigen Gletscherreste zu betrachten. Oder per Glacier-Express durch die herausgeputzte Schweizer Alpenwelt zu rollen. Nett und angenehm, hat aber mit einer Expedition nichts zu tun. Übrigens: Für 27.695 Euro kann man sich bei Arktis Tours auch mit einem Atomeisbrecher durch das dank Klimaerwärmung brüchige Eis zum Nordpol bringen lassen und sich dort für ein Social-Media-würdiges Foto Hand in Hand mit anderen wagemutigen Expeditionsteilnehmern im Kreis um den Pol aufstellen. Man sollte nur aufpassen, nicht zu weit nach hinten zu treten, da die Schollen recht fragil sind.

Zeit für Expeditionen ist vorbei

Auch wenn es uns die Marketingleute von Hurtigruten und Co. glauben machen wollen: Die Zeit für echte Expeditionen ist vorbei. Nahezu sämtliche Punkte unserer Erde sind betreten, die wesentlichen Bergwände durchstiegen, die Pole zigfach besucht, Höhlen vermessen und Wüste durchfahren. Expeditionen waren früher, als Scott und Amundsen zum Südpol und die Amerikasiedler gen Westen aufbrachen. Christoph Kolumbus, Marco Polo und Alexander von Humboldt erforschten wahrhaftig Neuland und sammelten neue Erkenntnisse. Auch die Erstbesteigung des Mount Everest durch Edmund Hillary und Tenzing Norgay konnte man getrost in die Kategorie Expedition einordnen.

In unserer Zeit könnte man dagegen vielleicht noch die einjährige Forschungsfahrt der Polarstern in die Arktis als Expedition betrachten, zumindest als wissenschaftliche. Es mag auch einzelne Täler im Himalaya oder Karakorum geben, in die bislang kaum ein Mensch vorgedrungen ist. Doch grundsätzlich ist unsere Erde weitgehend abgegrast.

Wenn Unternehmen heute dennoch den Begriff Expedition benutzen, wollen sie den Teilnehmern eine Einzigartigkeit suggerieren, die so nicht existiert. Genau genommen handelt es sich bei der Wahl dieses reisetechnischen Superlativs um Kundentäuschung. Natürlich klingt Expedition besser als Ausflug, Reise oder Besteigung. Und natürlich lassen sich die zahlenden Gäste gerne umschmeicheln, indem man ihnen einflüstert, ihre Unternehmung sei etwas Besonderes. Nein, sie ist es nicht! Viele andere vor ihnen waren auch schon da. Die Fahrt mit einem luxuriösen Schiff in eine Eisbergbucht, der Besuch des Everest-Basislagers, die Durchquerung des patagonischen Inlandeises oder die Besteigung des 8000ers Cho Oyu sind organisierter Tourismus in nicht mehr jungfräuliche Regionen. Kurz: Marketing-Mogelpackungen.

Wer heute eine sogenannte Expedition antritt, ist so wenig Entdecker wie angebliche Influencer, die sich in Schluchten oder auf Gebirgsbachbrücken in Pose setzen und dies in die digitale Welt posten. Die eigene Leistung ist dabei meist nicht herausragend. Oft geht sie gegen Null. Außergewöhnlich ist nur die Überhöhung der eigenen Person, die glaubt, ein bislang unentdecktes Kleinod gefunden zu haben und dafür nun Bewunderung erwartet: „Wahnsinn, Du in dieser krassen Landschaft. Wie bist Du da nur hingekommen? War das nicht gefährlich?“ Nein, war es nicht. Nur 30 Minuten Fußmarsch.

Expedition zu sich selbst

Wer heute echtes Neuland betreten will, ist arm dran. Da alles bereist, beschrieben und gezeigt worden ist, liegt die einzige Möglichkeit auf unserer Suche nach dem Außergewöhnlichen darin, neue Ziele zu finden. Dafür müssen wir nicht mal weit reisen, die großen Herausforderungen liegen oft bei uns selbst. Manche definieren diese für sich als höher, schneller, weiter: Die Matterhorn-Nordwand in weniger als zwei Stunden. Den Triathlon in gut 7,5 Stunden. Für die anderen besteht die Expedition zu sich selbst in Veränderung und Entwicklung: Nach einer schweren Erkrankung erstmals wieder um das eigene Haus gehen. Zehn Kilo abnehmen. Den Job wechseln und seinem Leben eine neue Richtung geben. Mit dem Rad von Nord nach Süd oder von Ost nach West durch Deutschland fahren. Vielleicht auch, sich von seinem Partner zu trennen, den man ohnehin nicht (mehr) liebt, dann den Motor starten und gen Kapstadt fahren.

Die wahren Expeditionen unserer Zeit sind nicht die Hurtigruten-Mogelpackungen, sondern die persönlichen Gipfel und Pole. Das kann faszinierender sein als der Blick aufs sterbende Eis.

Foto: Schüller

Lastminute.de – Wie man Kunden für dumm verkauft

Das Online-Reiseportal lastminute.de wirbt damit, mehrfach ausgezeichnet worden zu sein: 2012 von der Stiftung Warentest, 2015 von Computerbild , 2019 von der Deutschen Gesellschaft für Verbraucherstudien (DtGV). Stets mit guten Ergebnissen.

Doch die Realität deckt sich nicht immer mit der Werbung. Beispiel Flugbuchung nach Nepal zu Beginn des Jahres 2020. Der Flug selbst sollte im Oktober 2020 starten, wurde aber von der Fluggesellschaft wegen Corona gecancelt. Auf wiederholte Anfragen im Kundenportal auf Kostenerstattung reagiert lastminute.de gar nicht, sehr verzögert und schließlich mit unkonkreten Standardaussagen (a la: der Vorgang wird bearbeitet). Am Ende dauert es ein halbes Jahr, bis es lastminute.de gelingt, die Flugkosten zu erstatten – wobei nicht ganz: 30 Euro behält das Portal ein. Aufforderungen, auch dieses Geld auszuzahlen, ignoriert die Firma.

Beispiel Flugbuchung nach Island im August 2021. Bei der Buchung werden kostenpflichtige Fensterplätze mitgebucht. Nur, die werden beim Online-Check-In nicht angezeigt. Stattdessen weist einem das System Gangplätze zu. Also muss man während des Check-Ins erneut zahlen – diesmal direkt bei der Fluggesellschaft – um Fensterplätze zu erhalten.

Auf Bitte bei lastminute.de, die Kosten für die ursprüngliche Sitzplatzbuchung erstattet zu bekommen, reagiert die Firma mit der Aussage:

Sehr geehrte/r Kundin/Kunde,
vielen Dank für Ihre E-Mail.
Bei lastminute.de steht die Sicherheit unserer Kunden an erster Stelle.
Wir haben festgestellt, dass Sie uns von einer anderen E-Mail-Adresse aus schreiben als die, die während der Buchung verwendet wurde.

Um Ihre Anfrage mit absoluter Sicherheit bearbeiten zu können, müssen Sie uns bitte von derselben E-Mail-Adresse aus schreiben, die Sie bei der Buchung verwendet haben.
Mit freundlichen Grüßen,
Ihr Kundenservice

Diese Aussage ist falsch. Die Reise wurde unter der korrekten E-Mail-Adresse gebucht. Auf erneute Nachfrage unter eben dieser E-Mail schickt die Firma dann folgende Nachricht:

Sehr geehrter Kunde,
vielen Dank für Ihre E-Mail.
Da die Zahlung direkt mit der Fluggesellschaft und nicht über uns erfolgt ist, müssen Sie diese direkt kontaktieren.
Mit freundlichen Grüßen,
Ihr Kundenservice

Auch diese Aussage von lastminute.de ist falsch. Die Zahlung für die ursprüngliche Sitzplatzreservierung lief über lastminute.de, nicht über die Fluggesellschaft.

Auf weiteres Nachhaken meldet sich die Firma schließlich mehrfach und stur wieder mit der ursprünglichen Nachricht:
…Wir haben festgestellt, dass Sie uns von einer anderen E-Mail-Adresse aus schreiben als die, die während der Buchung verwendet wurde.

Fazit: Wenn Sie mal richtig für dumm verkauft und um Ihr Geld gebracht werden wollen, buchen sie bei lastminute.de. Übrigens, das Portal ist Teil eines Konglomerats. Dazu gehören auch weg.de, Bravofly, Rumbo, Volagratis und Jetcost. Ob dort die Kundenpolitik so viel anders ist?

Foto: Rainer Sturm (Pixelio)

Tiroler Schreihals

Seit Jahrzehnten ist die Wochenbrunner Alm auf der Südseite des Wilden Kaisers in Tirol Ausgangspunkt für Bergsteiger, die Touren in dem felsenreichen Gebirge unternehmen wollen. In der  Selbstbeschreibung stellt sich die Wochenbrunn als „ein wunderschönes Naturresort“ dar.

Bislang war es nie ein Problem, am Abend vorher anzureisen, auf dem großflächigen Parkplatz im Auto oder Wohnmobil zu übernachten (wobei anständige Alpinisten stets ihren Müll wieder mitgenommen und auch sonst keine Hinweise auf ihre Anwesenheit hinterlassen haben – die anderen Schweine finden sich leider überall, auch unter Hotelgästen).

Damit ist es nun vorbei, ein weiteres Kleinod der Unbeschwertheit ist dahin. Bereits auf der Anfahrt warnen unübersehbare Schilder davor, bei der Wochenbrunner Alm im eigenen Fahrzeug zu übernachten. Wer das nicht glaubt, wird unvermittelt von einem Mann, der sich als Besitzer dieses Areals ausgibt und dessen Puls deutlich erhöht zu sein scheint, beehrt. Der rast, noch ehe man abends seinen Kleinbus richtig geparkt hat, mit seinem Wagen auf einen zu, kommt einen Meter vor dem eigenen Fahrzeug zum Stehen, springt heraus und brüllt mit verzerrtem Gesicht „Was willst Du denn hier? Willst Du übernachten? Das geht nicht, das ist verboten. Hau ab!“

Das klingt überzeugend und macht jegliche Widerrede überflüssig. Das „wunderschöne Naturresort“ hat offensichtlich einen cholerischen Besitzer. Der hätte es wohl lieber, dass man in einem seiner Ferienchalets mit der „besonderen Aura“ und deren „alpinen Charme“ absteigt.  Tatsächlich hält sich der Charme des angeblichen Besitzers in Grenzen. Vielmehr ist er ein weiterer Beleg für die Tiroler Gastunfreundlichkeit (Euer Geld nehmen wir gerne, aber sonst schert´s Euch sonst wohin). Also, Motor starten, abhauen und keinen Euro dalassen. Und nächstes Mal gilt: Nicht nur die Wochenbrunner Alm meiden, sondern Tirol möglichst schnell durchfahren – südlich des Brenner gibt es auch schöne Berge!

Afghanistan: Nach uns die Sintflut

Das Geschrei ist groß in der westlichen Welt, dass die Taliban die afghanische Hauptstadt Kabul schneller als erwartet eingenommen haben. Nach einem Bericht der „Washington Post“ unter Berufung US-Geheimdienstquellen waren diese noch im Juni davon ausgegangen, dass Kabul in einem Zeitraum von sechs bis zwölf Monaten nach dem Abzug des US-Militärs unter die Kontrolle der Taliban geraten könnte. Auch beim deutschen Bundesnachrichtendienst (BND) war man davon ausgegangen, dass Kabul erst später fällt.

Bemerkenswert ist, dass man in diesen normalerweise gut informierten Kreisen davon ausging, dass Kabul und damit im Grunde das gesamte Land ohnehin in die Hände der nicht gerade für ihre Liebenswürdigkeit bekannten Taliban fallen werden. In Geheimdienstkreisen wie auch bei den politischen Entscheidern war man sich also bewusst, dass diejenigen, die das Land und deren Menschen in den 1990er-Jahren mit steinzeitlichen Methoden beherrschten, wieder die Macht übernehmen werden – eben nur etwas später als gedacht.

Unter dieser Prämisse fand der überhastete Abzug der USA und alliierter Truppen aus dem Land statt – ohne jeglichen Plan einer ordentlichen Übergabe- oder Nachfolgeregelung. „Was nach uns kommt, interessiert uns nicht – selbst wenn dabei Millionen Menschen unterjocht, um ihre Menschenrechte gebracht oder Tausende gar ums Leben kommen sollten“ – so in etwa ließe sich die Denke und Handlungsweise derjenigen zusammenfassen, die 20 Jahre vergeblich versucht haben, anhaltende Ordnung und Stabilität in das Land zu bringen.

Man könnte auch fragen, wieso jetzt plötzlich alles so schnell gehen musste? Wenn die fremden Mächte 20 Jahre im Land waren, hätten sie doch auch noch ein paar Monate dranhängen können, um zu prüfen, ob das afghanische Militär wirklich fähig und willens ist, sich den Taliban entgegenzustellen. Aber gut, Herr Trump hatte 2020 ja einen Deal mit den Taliban geschlossen, der musste nun umgesetzt werden.

Galt bislang die Devise: Wir versuchen, westliche Werte nach Afghanistan zu bringen, gilt nun: Nur weg. Nach uns die Sintflut!

Spielplatz für die Rassisten

US-Präsident Donald Trump rät dunkelhäutigen Politikerinnen, in „ihr“ Land zurückzugehen (drei sind in den USA geboren). Italiens Innenminister Matteo Salvini will das Land gegen Flüchtlinge abschotten und hetzt gegen alles und jeden. Ungarns Ministerpräsident Viktor Orbán denkt über Grenzzäune nach und will das Land möglichst frei halten von Menschen aus anderen Regionen.

Es gibt sie überall, die Hetzer, Aufwiegler und Pöbler. Die Höckes, Le Pens, Identitären, Dutertes. Sie alle wollen ihren Spielplatz, auf dem sie sich ungehindert austoben können mit ihrem rechten und vielfach menschenverachtenden Gedankengut.

Warum erfüllt man diesen Leuten nicht ihren Wunsch? Warum schafft man nicht Platz für sie? Irgendwo im trockenen Nirwana zwischen Syrien und dem Irak oder im Süden Libyens ließe sich sicherlich ein Stückchen Land finden, wo sie alle gemeinsam ihr Ideal eines Staates umsetzen können. Vielleicht wird es das Paradies auf Erden. Auf jeden Fall wäre es ein tolles Experiment, wenn Trump, Salvini und Orban gemeinsam die Verfassung ihres neuen Staates erarbeiten. Möglich, dass dann auch weitere Personen Geschmack an dem Modell finden – Herr Johnson, Herr Kurz, von Storch…

Pauper Austria

Die Österreicher sperren zu Stoßzeiten die Fahrt über Landstraßen im Raum Innsbruck. Das gilt offiziell für alle Autofahrer – einheimische wie ausländische – , zielt de facto aber vor allem auf Ausländer. Sie zwingen vor allem Menschen anderer Nationen, auf den Autobahnen zu bleiben und dort Maut zu zahlen – vielfach in doppelter Form: einmal als Pickerl, das die Fahrt auf der „normalen“ Autobahn erlaubt; einmal als zusätzliche Sonderabgabe, damit man die Brennerautobahn, den Tauern- oder den Arlbergtunnel benutzen darf. Das könnt man getrost auch als Abzocke bezeichnen.

Die Straßensperrungen zeigen einmal mehr die Haltung der Tiroler und insbesondere ihres Landeshauptmanns Günther Platter gegenüber Fremden: zahlen sollt ihr, ansonsten seid ihr uns nur lästig.

Warum lässt Europa sich ein derart diskriminierendes Verhalten bieten? Stattdessen könnte man beispielsweise im Gegenzug allen Österreichern verbieten, das kleine deutsche Eck bei Bad Reichenhall zu benutzen. Da würden Herr Platter und Co. schnell zur Besinnung kommen.

Darüber hinaus kann jeder für sich selbst überlegen, ob er Österreich als Aufenthalts- oder als Transitland für seinen nächsten Urlaub nutzt. Aus verschiedenen Gründen bietet sich Letzteres an: Die Sprache. Die Ich-bezogene Einstellung der Tiroler. Ö3 und Radio Maria. Also: Einmal Austreten in Ösiland, dann Gas geben und nix wie durch. Die Pizza schmeckt in Brixen ohnehin besser.

P.S.: Natürlich ist der Verkehrsinfarkt und die damit einhergehende Belastung von Anwohnern ein Riesenthema. Deutschland – ein Transitland für Pkw- und Lkw-Fahrer aus ganz Europa – erstickt täglich im Stau, ebenso wie Österreich. Daraus abzuleiten, Ausländern bestimmte Verkehrswege zu verbieten, heißt, den europäischen Gedanken nicht verstanden zu haben oder nicht leben zu wollen.

Der CSU-Totalschaden

Natürlich kann man die von Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) seit Jahren heftig vorangetriebene und von seinem Vorgänger Alexander Dobrindt initiierte (ebenfalls CSU) Pkw-Maut auf deutschen Autobahnen als Diskriminierung ausländischer Autofahrer sehen. Immerhin hätten nur Ausländer für die Straßenbenutzung gezahlt, Deutsche hätten über eine Absenkung der Kfz-Steuer finanziell mehr oder weniger neutral gestellt werden sollen.

Die Gefahr, dass am Ende so geurteilt würde, wie nun durch den Europäischen Gerichtshof geurteilt worden ist, war von Anfang an da und klar sichtbar. Nur die Herren Dobrindt und Scheuer haben stets so getan, als sei die Maut so gut wie gesetzt und völlig EU-konform.

Man fragt sich, wie weit beziehungsweise kurz der Sachverstand von Dobrindt, Scheuer und ihren Beratern eigentlich reicht? Ist der so schütter wie das Haar von Dobrindt? Offensichtlich fällt er ihnen gerade auf die Füße. Man fragt sich auch, warum nicht eine Maut eingeführt wird, so simpel und klar wie in der Schweiz oder in Österreich: Plakette auf die Scheibe, alle zahlen.  Der administrative Aufwand hielte sich in Grenzen, es flössen sofort Einnahmen. Und die Kfz-Steuer hätte man mit einigem zeitlichen Abstand trotzdem absenken können. Nur die beiden Themen von Beginn an miteinander zu verbinden, ist in hohem Maße dilettantisch gewesen.

Für den Steuerzahler sind bereits massive Kosten durch das CSU-Nebelprojekt entstanden. Sogar eine Gesellschaft zur Umsetzung der Maut wurde bereits gegründet – das Bundesverkehrsministerium hatte dem Ticketverkäufer CTS Eventim und seinem österreichischen Partner Kapsch TrafficCom einen zwei Milliarden Euro schweren Auftrag zum Verkauf der Maut-Vignetten erteilt. Die dürften nun Schadenersatz fordern.

Wer kommt für den finanziellen Schaden auf? Dobrindt? Scheuer? Ein Unternehmensmanager, der offensichtlich und wider besseres Wissen Mist baut, haftet in solchen Fällen persönlich. Gleiches sollte auch für Minister gelten – in Kombination mit der sofortigen Entlassung wegen Unfähigkeit.